Ugrás a tartalomhoz

Neurologische Regulierung humaner Lebensprozesse – vom Neuron zum Verhalten. Interdisziplinärer Lernstoff zum Thema Aufbau, Funktion und Klinik des Nervensystems für Studierende der Medizin, Gesundheits- und Biowissenschaften in Ungarn

Hajnalka Ábrahám, Péter Ács, Mónika Albu, István Balás, András Benkő, Béla Birkás, László Bors, Bálint Botz, Árpád Csathó, Péter Cséplő, Valér Csernus, Krisztina Dorn, Erzsébet Ezer, József Farkas, Sándor Fekete, Ádám Feldmann, Zsuzsanna Füzesi, Balázs Gaszner, Csilla Gyimesi, IStván Hartung, Gábor Hegedűs, Zsuzsanna Helyes, Róbert Herold, Tibor Hortobágyi, Judit Horváth, Zsolt Horváth, Mária Hoyer, István Hudák, Enikő Illés, Gábor Jandó, István Bajnóczky, Andrea Jegesy, János Kállai, Kázmér Karádi, Zsuzsanna Kerekes, Ákos Koller, Sámuel Komoly, Bernadett Kovács, Norbert Kovács, Zsolt Kozma, Ferenc Kövér, Antal Kricskovics, Gábor Lenzsér, Tivadar Lucza, Emese Mezőségi, Andrea Mike, Péter Montskó (2016)

Universität Pécs; Dialóg Campus Herausgeber-Nordex Kft.

3.q. Mentale Dissoziation zwischenrealen Erfahrungen und posttraumatischen Erlebnissen. – Zsuzsanna Kerekes [Übersetzer: Norbert Neizer, Deutsches Lektorat: Zsuzsanna Kerekes]

3.q. Mentale Dissoziation zwischenrealen Erfahrungen und posttraumatischen Erlebnissen. – Zsuzsanna Kerekes [Übersetzer: Norbert Neizer, Deutsches Lektorat: Zsuzsanna Kerekes]

1. Einführung

In diesem Kapitel gehen wir die mit der Bewusstsein und der Informationsverarbeitung der Erlebnisse zusammenhängenden wichtigsten Definitionen durch, mit dem Ziel das Wissen, über die auch beim Erleben von traumatischen Lebensereignisse (Krankheiten, Katastrophen) vorkommenden Dissoziationen zusammenfassen zu können. Dazu nehmen wir solche Charakterzüge des Bewusstseins, der Informationsverarbeitung der Erlebnisse, der Dissoziation, des traumatischen und posttraumatischen Stresssyndroms (posttraumatic stress disorder (PTSD) posttraumatische Belastungstörung (PTBS)) in Betracht, die nicht in anderen Kaptieln des Lehrbuchs behandelt werden.[70]

In unserer Einführung versuchen wir mit der Formulierung der umfassenden und integrierenden Rolle der Erfahrung zu demonstrieren, weshalb das Verstehen des Ablaufs des individuellen Informationsverarbeitung der Erlebnisse bei der Behandlung der Dissoziation der mentalen Vorgänge relevant ist.

Die Erfahrung, die wir durch die Systematisierung der während unseres Lebens aufgelagerten Kenntnisse gewinnen, stimmt nicht immer mit der objektiven Realität überein, und ist nicht gleich mit der Summe der uns betroffenen äußeren und inneren Reize. Die Erfahrung ist die Summe und Auseinandersetzung des kognitiven und emotionellen Verlaufs der Kenntnisse, deren Spektrum sich vom instinktiv, automatischen Informationserwerb ganz bis zur wissenschaftlichen Erfahrung ausbreitet. Obwohl es seitens der Psychologie und Philosophie um die Bildung einer genauen Definition Anstrengungen gemacht wurden, wurde bisher keine suffiziente Definition gefunden.

Die Erfahrung ist die Summe der Erkenntnisvorgänge des betroffenen Individuums, in der das letztlich erscheinende und beobachtbare Benehmen, Emotions- und Erlebniswelt anhand der Gesetzmäßigkeit, der Wiederholung, der Differenzen, der durch das Lernen zustande kommenden ständigen Erweiterung und Neuschreibung der Erscheinungen sich herausbildet. Das ist das sich in Erste Person Singular schreibende Organisieren der Lebensereignisse, der Aktivitäten und unserer subjektiven Wahrheit, das gleich auch eine Begebenheit, Einstellung und ein Vorgang ist. Das ist die intentionale Erlebnisstufe, die ein hinter dem Bewusstsein laufender Sinnbildungsgang anhand Tengelyi (2000) ist. In Verbindung mit der Erfahrung bilden die automatisch funktionierenden aufarbeitenden Vorgänge des bewussten und des unbewussten Standpunktes, gemeinsam die eigenartige Einheit der Sinngebung.

Die Dissoziation wird in Fällen des Abweichens von den gewohnten und erwarteten Erfahrungen relevant. Die im Alltag zustande kommende, normalen Dissoziationen, wie zB.: Träumerei, Ablenkung der Aufmerksamkeit, Traum, Meditation, weichen von den gewöhnlichen organisierten Erfahrungen ab, und können dadurch in der betroffenen Situation das Treffen von rationalen Entscheidungen die Abschätzung der beeinflussenden Wirkung von Emotionen und das Denken unterstüzten. Manchmal aber erscheint die Dissoziation, in einer solchen unerwarteten, nicht voraussagbaren Erfahrung, die mit denen der bisher herausgebildeten Schema, den früheren Erlebnissen und den von dem entspringenden Sinnesbildungen nicht in Zusammenhang steht. Die Perzeption, das Gedächtnis, das Bewusstsein, beziehungsweise die bis dahin aufgebaute subjektive Wahrheit und Selbstbestimmung desintegrieren, was möglicherweise auch pathologisch werden kann. In solchen Fällen hilft die Dissoziation in der Verhütung gegen die Trauma oder andere belastende Situationen, mit dem Aufbehalten der Illusion der psychologischen Kontrolle, dem Individuum nicht mehr. Eine der wichtigsten Fragen bezüglich der Dissoziation, beziehungsweise der Informationsverarbeitung der Erlebnisse und der Erfahrung ist, dass die wahrgenommenen Ereignisse, Informationen wie zu einem solchen mit einem ganzen Sinn verfügenden Vorgang integriert werden können, der die Herausbildung und Bewahrung der psychologischen und subjektiven Kontrolle der Person mit der Wiederherstellung, Bewahrung des Sicherheitsgefühls des Individuums möglich macht.

Darauf versuchen wir in diesem Kapitel zu antworten.

2. Bewusstsein, Wachheit

2.1. Das Bewusstsein

Bezüglich Bewusstsein und Informationsverarbeitung der Erlebnisse ist das Definieren des Bewusstseins und dessen Inhalt eine der großen Fragen der Wissenschaft der Psychologie, worauf wir zur Zeit keine einheitliche Antwort geben können. Es gibt sprachliche, kulturelle und zwischen den Wissenschaftsgebieten bestehende Differenzen, von denen wir die englische Bezeichnung betonen würden, die eine Differenz zwischen dem Bewusstsein (consciousness) und Bewusstheit (awareness) macht. Deren gemeinsame Aufgabe ist die Abgrenzung der Person von der Außenwelt und gleichzeitig ihre in der Kontaktpflege mit dieser zustande kommende Integration.

Das Bewusstsein bezieht sich auf die äußeren Reize und die inneren Erlebnisse, wie auch auf die umweltbedingten Ereignisse die den Inhalt des Bewusstseins, wie zum Beispiel Erinnerungen, und Gedanken herausbilden. Diese Bewusstseinsinhalte bilden ein einheitliches Erlebnis, oder Zusammenhänge bei Wachsamkeit.

Aus der Sicht der Bewusstseinsinhalten werden die mit Leben gefüllten und vielfarbigen Zustände, wie der Wachzustand und der REM-Schlaf mit einer koherenten 40Hz großen Oszillation charakterisiert, die anhand der Analysen als Index der Kognition betrachtet wird. Es scheint so, dass die äußeren Reize auf die Periode der Oszillationen wirken, also kann die wache Bewusstheit als eine mit der Umwelt in Auseinandersetzung tretender bewusster Zustand charakterisiert werden, wohingegen die äußeren Reize diese Antwort in der zerebralen Informationsdurchführung beim REM-Zustand nicht auslösen.

Die inhaltliche Zusammensetzung des wachen Bewusstseins verändert sich ständig und dynamisch, und die Wichtigkeit des bewussten Erlebnisses aufbehaltend wird sie von der Funktion und dem Fokus der Aufmerksamkeit mit den Verhaltensreaktionen abgeglichen. Zumeist laufen noch logische und progressive Vorgänge im Falle der Fantasiefunktion, Imaginationstätigkeit oder einer wache Träumerei auch.[71] Die Zusammenschaltung der von der Aufmerksamkeit auserwählten Inhalte erfolgt mit der Hilfe des Arbeitsgedächtnisses, die mit den präfrontalen und parietalen Hirnrindgebieten (Brodmann 39 und 40) verbunden werden können. Die gennanten Areale werden in der Verwirklichung der Orienterungsreaktion für die Wegweisenden gehalten.

Die selbstreflektierende, nach innen wendende, auf die innere Umstände, Gedanken richtende oder introspektive Aufmerksamkeit ist ebenfalls ein Kennzeichen des bewussten, wachen Zustandes, der mit der Aktivität der dorsomedialen präfrontalen Cortizes zusammenhängt. Die reflektierende Ichbewusstheit aktiviert neben den erwähnten Gehirngebieten das Precuneus und den Gyrus angularis auch.

Gleichfalls ist es für den wachen, bewussten Zustand bezeichnend, dass auch als eine Willenskontrolle in der Funktion des Benehmens beobachtbar ist, was widerum mit den präfrontalen Hirnrindgebieten verbunden werden kann. Die räumliche und zeitliche Orientierung ist auch die Bezeichnung des wachen Bewusstseins. Die zeitliche Orientierung wird von dem Kleinhirn, den Basalganglien und von der rechten präfrontalen Rinde koordiniert. Die räumliche Orientierung bedeutet globale Orientierungsmöglichkeit, in der diverse (visuelle, auditive, vestibuläre) Reize gleicherweise teilnehmen. Im komplexen Vorgang der Feststellung des Wahrnehmens des im Raum von der Person eingenommen Platzes nehmen mehrere Hirnrindgebiete teil, betont ist die Aktivität des dorsalen Zweiges des visuellen Systems und darin der parietalen Lobi.

Bei der wirksamen Orientierung im Raum würden wir die Rolle des Hippokampus[72] betonen, und bezüglich des vestibulären Systems erwähnen wir die Gleichgewichts- und Koordinationsfunktion des Kleinhirns.

Wir müssen festlegen, dass das Bewusstwerden und die Hirnaktivität nicht gleich miteinander sind, da wir das Bewusstwerden keinem Hirngebiet zuordnen können, eher kann man behaupten, dass die entsprechend starke, genügend lange, synchronische Aktivität der umfangreichen Hirngebiete zum Geschehen des Bewusstwerdens nötig ist.

Atkinson (2003) betont die zwei Aufgaben des Bewusstseins. Die Eine ist das ständige Folgen der Umwelt und von uns selbst, wovon wir bisher sprachen, denn in der bewussten Abbildung der Gespürs, Erinnerungen, Gedanken geht es eigentlich darum. Die andere ist die Organisierung des Benehmens und der Reaktionen, die auf die Kontrolle, das Aufspüren und die Führung von uns selbst und unserer Umwelt sich bezieht. Das ist äußerlich auch in unserem Benehmen sichtbar und es manifestiert sich in unseren Kognitionen. Die Funktionen des Bewusstseins können wir nachfolgend aufzählbar zusammenfassen:

  • Aufmerksamkeit;

  • Aufnahme der äußeren und inneren Reize;

  • Bearbeiten der äußeren und inneren Reize;

  • Anpassung;

  • Die der Erinnerung betreffenden Arbeitsgänge;

  • Räumliche- zeitliche Orientierung;

  • Das Erschaffen und Behalten der eigenen Identität;

  • Das Planen und die Ausführung der absichtlichen, kontrollierten, kohärenten Handlungen;

  • Flexibel anpassendes Zielbewusstsein;

  • Die Vorgänge der Metakognition;

  • Die Formung der bisher Aufzählten zu einer permanenten Repräsentation, die mit der Hilfe der sprachlichen Symbolbildung geschaffen werden.

Bei einem wachen und gesunden Bewusstsein funktionieren die bisher Aufgezählten ungestört und in einer permanenten Wechselwirkung miteinander. Die zwei Hauptdimensionen der Charakterisierung des Bewusstseins sind die inhaltliche und energetische Dimension. Diese Aufteilung bildet auch gleich die Hauptrichtung der Einordnung der Bewusstseinsstörungen.

Mit der inhaltlichen Störungen des Bewusstseins beschäftigt sich das Kapitel 4.9., diese werden wir hier nur erwähnend nennen:

  • Wir sprechen über eine Störung, eine Konfusion, wenn ein Defizit in der Funktion der kognitiven, wahrnehmenden oder durchführenden Vorgänge auftritt, hierbei kann die räumlich-zeitliche Orientierung, oder die Selbst-Identität auch gestört sein.

  • Im Falle eines Deliriums bildet sich eine solche akute, schwappende Bewusstseinsstörung heraus, wobei die kognitive Funktionen defizitär sind, es ist ordnungsmäßig reversibel, es kann vielmals durch die Eingabe oder Entziehung von Toxins sich schnell herausbilden.

  • Die Demenz ist ein Zustand generalisierter, allgemein progressiver Erscheinung des kognitiven Defizits, es bildet sich stufenweise heraus, die Kapiteln 6.5. und 7.4. handeln ausführlich davon.

  • Die Psychose ist eine solche mentale Störung, wobei Halluzinationen, Sinnestäuschungen auftreten, die Wahrheit und die Fantasie voneinander für den Erkrankten nicht trennbar sind, vielmals erscheinen auch Stimmungsschwankungen, impulsive Ausbrüche.

Außerdem können wir noch über teilweise oder partielle Bewusstseinsstörungen (in denen funktioniert nur ein bestimmtes Subsystem des Bewusstseins nicht zufriedenstellend, zB.: die zeitliche Orientierung) und globale Störungen sprechen, bei denen die Wachheit ganz erhalten bleibt, aber der Bewusstseinsumfang in einem solchen Grad desorganisiert ist, dass das Bewusstsein fast in ganzen Maßen funktionslos wird.

2.2. Wachheit

Die Wachheit ist ein zum Bewusstsein fest anknüpfender Begriff. Die Wachheit (alertness - Aufmerskamkeitsaktivierung) ist das energetische Kennzeichen des Bewusstseins, eine allgemeine psychische Aktivitätsstufe, die den vom Koma durch die Schlafphasen bis zum erhöhten Bereitschaftszustand ausbreiteten Spektrum umfasst. Sie ist die Zusammenfassung der verschiedenen Qualitäten und auch des subjektiven Erlebensart des Arousal[73] und der Vigilanz.[74] Die Wachheit des Wachzustands macht das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem des Gehirns (ARAS) möglich. Die Stimulation des ARAS erhält der sensorische Input aufrecht. Die Bewegung der Wachheitsstufe in die Richtung der Bewusstseinsstörung können viele Faktoren verursachen, wie die das Gehirn und dessen Funktion konkret physiologisch schädigenden Vorgänge (Entzündung, Tumor), exogene oder endogene biochemische Gründe (Drogen, Alkohol, Stoffwechselstörung), aber sogar auch traumatische Lebensereignisse. Das aufsteigende Aktivierungssystem funktioniert mit der Hilfe von vier Haupttransmittersystemen: Das cholinergische System, das Neocortex-, und das serotonerge System sind für die Aktivierung des Vorderhirns verantwortlich, solange beeinflusst das adrenerge System in erster Linie die affektive Aktivierung, das dopaminergische System erfüllt eine wichtige Rolle jedoch in der Hinsicht der motorischen Funktionen und der Belohnung. Zur energetischen Störungen des Bewusstseins zählen wir die Störungen der Wachheit, sowie die Benommenheit, Somnolenz (Schlafsüchtigkeit), Sopor (wenn die Person nur mit starken Drängen, wie Schmerz, erweckt werden kann), Bewusstlosigkeit und Koma.

2.3. Das Vorbewusste

Über das Bewusstsein sprechend muss man auf die Begriffe des Vorbewussten und Unbewussten zurückgreifen. Die Definition des Vorbewussten stammt aus der Psychoanalyse und seine Funktion können wir größtenteils durch die Beschreibung derer Erscheinungen charakterisieren. Die Funktion des Vorbewussten hat in der Selektion der bewusstwerdenden Reize und in der Verwaltung des für das Bewusstsein zugreifenden Erinnerungen ihre Wurzeln.

Jeder von uns hat solche Erfahrungen, Erinnerungen, Gedanken, die nur in dem bestimmten Moment unbewusst sind, sofern wir unsere Aufmerksamkeit nicht absichtlich darauf richten. Die Inhalte des Vorbewussten sind für das Bewusstsein zugreifbar, wenn wir sie hervorrufen wollen. Das ist die Bezugsquelle der gelernten und persönlichen Erlebnisse, Erinnerungen, einschließlich des Vorgangs des Radfahrens oder Zähneputzens, allermeist, aber nicht ausschließlich gehören die prozedural/implizit peripherische und Gedächtnisvorgänge dazu. Größtenteils wenden wir den aufgezählten Tätigkeiten keine große Aufmerksamkeit zu, wenn wir sie schon wissen, den Arbeitsgang schon erwarben, dagegen aber können wir sie ausführlich beschreiben, wenn es Notwendig sein sollte.

Das Bewusstwerden der unbewussten Informationsbearbeitung können wir nicht mit neuropsychologischen Begriffen oder auf andere Weise exakt beschreiben. Die Erscheinung wird bisher mit geringem Ergebnis von der Mehrheit des Bestrebens aus der Ermittlung der neuropsychologischen Analysen der Angst und der Schizophrenie den Moment des Bewusstwerdens betonend ergriffen.

Die modernen Unbewusst-auffassungen operieren mit der kognitiven Unbewusstheitsdefinition, die unter anderem die Vorgänge des unter der Schwelle liegenden Wahrnehmens, des Lernens ohne Bewusstsein, und der automatischen Bearbeitung betonen. Beziehungsweise probieren sie die auf das Wahrnehmen, Gedächtnis, die Gefühle und Attitüde ausgeübte Wirkungen zu ergreifen.

Das psychoanalytische und das kognitive Unbewusste sind einander übergreifende, aber nicht gleiche Erscheinungen, die Definition des Vorbewussten ist bis zum heutigen Tag eine subjektive, verändernde Gestalt.

2.4. Das Unbewusste

Den Begriff des Unbewussten führte Sigmund Freud ein, der den bestimmten Teil seiner Theorie bildete. In die Inhalte des Unbewussten gehören Erinnerungen, Wünsche, Impulse, die emotional intensiv, größtenteils schmerzhaft, gefährlich, mit dem Bewussten unverträglich scheinend sind, deshalb wurden sie mit der Hilfe der Abwehrmechanismen ins Unbewusste verbannt. Trotzdem wirken sie auf unsere Handlungen, Emotionen, unser Benehmen. Die Inhalte des Unbewussten können mit der Hilfe von Träumen, Irrtümern, Hypnose bekannt werden. Darauf kann auch eine Therapie aufbauen werden, dessen Ziel das ins Bewusste holen der unbewussten Inhalte ist, mit dessen Hilfe die Persönlichkeit stabilisiert, die seelischen Krankheiten geheilt werden können. Die Theorie von Freud ist mit einer kleinen Ergänzung zutreffend, denn die von ihm in das bewusste, vorbewusste und unbewusste Kategorie gezählte Funktionen, und Begriffe sind vorhanden und verwendbar. In psychologischem Sinne kann die nicht bewusste Perzeption auch in die unbewusste Kategorie gezählt werden. Ein solcher Vorgang läuft zum Beispiel während des Autofahrens ab, wenn wir die Geschwindigkeiten des vor uns fahrenden und des uns entgegenkommenden Fahrzeuges anhand der Geschwindigkeit unseres eigenen Fahrzeugs einschätzen, und dann entscheiden, ob ein Überholvorgang stattfinden kann. Wir könnten die genaue Beschreibung und Ausrechnung des Vorgangs nicht bestimmen, aber die mentale Bearbeitung erfolgt trotz dessen, bei der auch solche Faktoren eine Rolle spielen wie, dass wir z.B.: den gelben Wagen als schneller einschätze wie den Weißen; die Entfernung der Bäume als Referenz benutzen, usw.

2.5. Das gespaltene Bewusstsein

Die anlässlich des Bewusstseins erwähnte Kontrolle setzt voraus, dass die Steuerung und Kontrolle über unsere Umwelt erlernbar ist. Die anfangs eine große Bewusstheit und Aufmerksamkeit beanspruchenden Vorgänge verwandeln sich mit der Zeit zu automatischen, in deren Erwerben in erster Linie das implizite Gedächtnis uns hilft. So passen wir auf diese Tätigkeiten dann auf, wenn wir wollen. Wenn wir es nicht wollen, dann passen wir auf sie nicht auf. Mit diesem Beispiel ist die Erscheinung der Dissoziation eigentlich greifbar, d.h., wann die Kontrolle von der bewussten Funktion trennbar wird. Die mit der Dissoziation gelösten Erinnerungen verhalten sich im Alltag zumeist als vorbewusste Erinnerungen. Auf die Wirkung des Disstress, wie zum Beispiel bei Katastrophengelegenheiten, traumatischer Ereignissen erfolgt vielmals die Dissoziation um die Fähigkeit der wirksamen Lebensrettungsreaktionen. Bei der Dauerhaftigkeit der in einer akuten Lage erscheinende Dissoziation können schon andere Vorgänge, Abwehrmechanismen des gespaltenen Bewusstseins ergänzen, stärken, auf lange Sicht das Gleichgewicht in eine pathologische Richtung verschieben.

3. Bewusstseinszustände

Die Gehirn-Verstandsforschungen (Mind and Brain – Forschungbereich) versuchen in die Richtung des Vereinheitlichens der Bewusstseinstheorien Schritte zu machen, in dem Moment aber kann zumeist ein sämtlicher Wissensstoff entlang der physiologischen, kognitiven, Verhaltenscharakter der Bewusstseinszustände aufgestellt werden. Unser Gehirn und so unser alltägliches Rhythmus verbinden sich in drei unterscheidbaren Bewusstseinszuständen zu den Reizen der Außerwelt: der Wachzustand; der NREM-Schlaf; und der REM-Schlaf gehören dazu. Die aufgezählten Bewusstseinszustände können miteinander in zeitweiligen, beziehungsweise dissoziierten Zuständen (siehe: 3.17.3.2.3) Überschneidung zeigen, und neben dessen können wir noch über die veränderten Bewusstseinszuständen sprechen.

3.1. Wachsamkeit

Die Kennzeichen der Wachsamkeit (Wachzustand): Wachheit, der Reichtum des Bewusstseinsinhalts, Empfänglichkeit und Offenheit auf die äußeren Reize, die Bewusstseinsfunktionen vom Kortex organisiert sind, der tonal hohe Stufe der noradrenergen und serotoninergen Neurotransmission.

3.2. Schlaf

Die Träume, hypnagoge Halluzinationen bilden die subjektive Erlebnisprojektion des Schlafs. Anhand Bódizs (2009, Seite 58.): „Das Träumen ist die psychische Projektion der sensibel gesteuerten (limbisch bestimmten) Gehirnfunktionen, in dem die der Verhaltenskontrolle der höheren Ebenen unterliegenden präfrontale Assoziationsgebiete keine Rolle spielen.“ Der Schlaf, wie es beim Durchschau seiner Abschnitte auch beobachtet werden kann, ist ein sehr aktiver, biologisch komplexer Vorgang, der für das Organismus lebenswichtig ist, aber seinen wahren Ziel und seine wahre Funktion wir noch nicht kennen. In dieser Hinsicht kamen mehrere Theorien zustande, zum Beispiel die passive, aktive, und die retikulare Deafferentierungsschlaftheorien.

Ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten, er wiederholt sich nächtlich vier-fünfmal in Relation zu Faktoren wie des Lebensalters, allgemeiner Gesundheitszustand, Alkoholverbrauch, Medikation, und sämtlichen weiteren Faktoren (siehe Abbildung 1).

Denen am Thema interssierten Lesern empfehlen wir die Videoaufzechnung des Tafelrundgeschprächs über die Erforschung des Schlafs und des Träumens (in Ungarisch): http://mindentudas.hu/kerekasztalok/item/2618-alv%C3%A1s-%C3%A9s-tudat-az-alv%C3%B3-%C3%A9n.html

Abbildung 3.145. Abbildung 1.: Die Phasen des Schlafs während der nächtlichen Schlafzyklen

Abbildung 1.: Die Phasen des Schlafs während der nächtlichen Schlafzyklen

3.2.1. NREM-Schlaf

Im NREM-Schlaf nimmt die Wachheit ab, die Inhalte, der Blutstrom des Gehirns und die Stoffwechsel nehmen auch (25-30% weniger im Vergleich zum Wachzustand) ab, das Atmen, der Herzrhythmus wird langsamer, die Muskeln entspannen sich, die Empfänglichkeit auf die äußeren Reize ist charakteristisch nicht mehr vorhanden, die Kortexfunktion ist absteigend, deren stufige Hemmung verwirklicht sich, die mit der Hilfe der Auseinandersetzung des Stirnlappens, des Thalamus und der Basalganglien und der Cortizes geschieht. Mit dieser Phase startet der Schlafzyklus, die charakteristisch erscheinenden langsamen Wellen weisen auf die Hemmung der Neuronen hin, die die Hemmung der Bearbeitung der von den Sinnesorganen ankommenden Informationen ergeben. Die Non-REM-Phase kann auf vier Abschnitte, zwei leichten und zwei tiefen Stadiums, zerlegt werden.[75] Die Stadien:

  1. Stadium 1 (Entspanntes Wachseins und Einschlafstadium, leichtester Schlaf): wenige Delta-Wellen – bessere Aufweckbarkeit, nach dem Schlieβen der Augen werden die Hirnwellen immer regelmäβiger, die Alpha-Wellen erscheinen, deren Schwingungszahl beträgt 8-10 die Sekunde, und sie weisen immer kleinere Amplituden auf und verschwinden schlieβlich gäzlich.

  2. Stadium 2 (leichter Schlaf – mittlerer Schlaf): wenige Delta-Wellen, aber die sog. Schlafspindeln erscheinen, die kurzen 12-16 Hz Wellen sind und die K-komplexe, die spitze Erhöhungen in den Hirnwellen sind.

  3. Stadium 3 (Mitteltiefer Schlaf): viele Delta-Wellen (1-2 Hz, 20-50% der Wellen) – schwerere Aufweckbarkeit, in der ersten Hälfte der Nacht ist er mehrmals anwesend

  4. Stadium 4 (Tiefschlaf): viele Delta-Wellen (mehr als 50% der Wellen sind anwesend).

Die Wachheit, die psychische und die Bewegungsbereitschaft sinken in diesem Zustand, aber selbst hier können auch mentale Inhalte (Träume) erscheinen, diese haben einen schwachen, wiederholenden Charakter, vorwiegend beruhen sie auf Gedanken, Erinnerungen, die Visualität ist auch nicht immer der Begleiter der Erscheinung. Wenn es trotzdem ein visuelles Erlebnis gibt, dann ist die Sensorbelebtheit, das bizarre Charakter doch nicht charakteristisch, sondern es wird mit dem die Wachsamkeit charakterisierenden logischen Denken charakterisiert. Die Überschreitung von dem Wachsein zur NREM-Phase verwirklicht durch die Minderung der Aktivität des ARAS, die die Aktivierungsminderung der cholinergischen und monoaminergischen Neuronen des Gehirnstamms anbahnen. Im NREM-Schlaf sinkt die charakteristische 40 Hz große thalamokortikale Oszillation in die Richtung der tieferen, schwereren Weckbarkeitsstadien, damit sinkt nicht nur die Weckbarkeit, sondern auch die Belebtheit der Traumerlebnisse. Im NREM-Schlaf sind die präfrontalen und parietalen Gebiete nicht aktiv, es gibt keine auf die Selbstreflexion, die kognitive Willenskontrolle, die Aufmerksamkeit, die Funktion des Arbeitsgedächtnisses, die räumliche und zeitliche Orientierung, und die emotionale Vorgänge hinweisende Zeichen.

Die hypothetischen NREM-Phasen können zu den Vorgängen der Entwicklung, der Rekonstruktion, der Energieerzeug, der Immunregeneration und Gedächtniskonsolidation zusammengesetzt werden.

Abbildung 3.146. Abbildung 2.: Das charakteristische EEG Muster der Phasen des Schlafs

Abbildung 2.: Das charakteristische EEG Muster der Phasen des Schlafs

3.2.2. REM-Schlaf und Traum

Die REM-Phase bekam seine Benennung von den schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movements), die dieses Schlafstadium begleiten. Diese für kurze Zeitperioden von 10-20 Sekunden auftretenden Augenbewegungen sind langsamer und haben eine gröβere Amplitude wie im wachen Zustand. Im Gegensatz zum NREM-Schlaf ist für den REM Schlaf charakteristisch, dass die Kortexsaktivierungen angewachsen sind, Beta- und Gamma-Wellen mit der Hilfe des EEG registriert werden können. Die Wachheit, die Blutversorgung des Gehirns, der Stoffwechsel steigen gegen die Wachsamkeit, aber der Maß des Organisierens der Aktivierungserhöhung erreicht den bei der Weichheit beobachtbaren Maß nicht. Die Bewusstseinsinhalte umfassen ein breites Spektrum, dieser Zustand wird vielmals mit bizarrem Charakter, intensiv emotionale Nuance charakterisiert. Die äußeren Reize können wahrgenommen werden, aber gegen sie ist die Erweckungsreizschwelle groß, außer der für die Person relevanten Reize, wie zB.: Weinen des eigenen Kindes. Praktisch gibt es keinen Muskeltonus,[76] zeitweise können myoklonische Zuckungen erscheinen, in dem Gehirnstamm dominiert eine cholinergische Aktivität, die noradrenergen und serotoninerge Befreiung ist niedrig, oder existiert gar nicht. Diese Vorgänge spielen mutmaßlich auch im Verlauf der emotionalen Ladung und der bizarren Assoziation des Traumes eine Rolle. Der Traum ist der Begleitumstand dieses Bewusstseinszustands, er bildet ein emotionell reiches, in erster Linie visuell angeregtes, vielfarbiges, einheitliches Erlebnis, auch dann, wenn es bizarr oder manchenorts bruchstückhaft ist, oder die räumliche und zeitliche Orientierung gemäß dem Wachzustand in der Qualität anders ist. Der Traum ist eine solche Bewusstseinsveränderung, in dem das Gedächtnis und die Fantasie mit der äußeren Realität sich vermischt. Die narrative Konstruktion des Traumes zeigt Ähnlichkeit in dieser Hinsicht mit dem Konfabulationssyndrom, vorwiegend dazu, dass die Fantasieelemente in keiner einzigen Fall so identifiziert werden, wie die bloßen Produkte der Fantasie, diese sind mit der Realität gleichwertig.

Die 40 Hz große thalamokortikale Oszillation erscheint auch im REM-Schlaf, aber sie wird nicht von den äußeren Reizen beeinflusst, weil der sensorische Input minimal ist. Der Zusammenhang zwischen den visuellen Bildern und den Augenbewegungen wird mit dem Befeuern der cholinergischen Neuronen beim Pons erklärt, wobei die monoaminergische Funktionen sinken. Die präfrontale Cortizes und die parietalen Gebiete sind in diesem Abschnitt nicht aktiv (mit dem Arbeitsgedächtnis und der Minderung der sich auf die äußere Reize richtende Aufmerksamkeitsaktivität zusammenhängend), wobei limbisch-paralimbische Gebiete im Gegenteil dazu aktiv sind (im Zusammenhang zu der angewachsenen Emotionalität).

Vermutlich funktionieren während des REM-Schlafs das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit, wenn doch nur auf eine niedrigere Stufe, als während des Wachzustandes. Dieser Bewegungsart wird einfache Bewusstheit oder in sich selbst stehende Denkweise genannt. Es gibt keine introspektive Aufmerksamkeit und Willenskontrolle.

Die cholinergischen Neurone des ARAS funktionieren intensiv, wobei die Neuronen der erwähnten monoaminergischen Neurotransmission permanent sinken. Die Kennzeichen des Herzrhythmus, des Blutdrucks, des Atems gleichen denen des Wachzustandes, aber die Bearbeitung der äußeren Reize ist gehindert, die Erweckbarkeit ist, außer des Wahrnehmens der für der Person relevanten Reize, schwerfällig.

Die Funktionen der REM-Phase organisieren sich in erster Linie um das Gedächtnis und um Lernprozess, darin auch das emotionale Lernen verstehend, aber die Motivation, der Kampf mit dem Disstress und die Stimmungsregelung können auch seine Teile sein. Mit dem Fortschreiten des Lebensalters sinkt der Dominanz der REM-Phasen während des Nachtschlafes ständig.

Abbildung 3.147. Abbildung 3.: Die Zusammenhänge zwischen dem REM-Schlaf und dem Lebensalter

Abbildung 3.: Die Zusammenhänge zwischen dem REM-Schlaf und dem Lebensalter

3.2.3. Dissoziierte Schlaf-Wachheitszustände
3.2.3.1. Hypnagoge Halluzinationen beim Schlaf

Mit der EEG, am Anfang des Schlafs gemessen, zeigt der erste Abschnitt des NREM Ähnlichkeiten mit dem REM-Schlaf, deshalb wird es von Vielen so definiert, wie ein elementarer, kurzer REM. Das wird von der Erfahrung unterstützt, dass wir visuell dominierend hypnagoge Halluzinationen beim Einschlafen erleben, auch wenn wir uns daran im Späteren nicht erinnern. Wir müssen diese, zwischen den zwei Zuständen bestehende Differenz, also das in den Hintergrund Treten der Emotionen, beziehungsweise das dort dominierende Erlebnis, so formulieren, dass wir nur passive Zuschauer dieser von uns erlebenden Halluzinationen sind, und wir daher kein aktives Erlebnis haben. Diese Vorgänge helfen uns beim Einschlafen, beim in den Hintergrund Treten der physischen Aktivität, und sie machen die Veränderung des Muskeltonus möglich. Häufig passiert es auch, dass diese hypnagogen Halluzinationen, die aus der Vermischung der einzelnen Charakterzüge der NREM- und REM-Phasen bestehen, nur visuelle Elemente ohne Organisierung enthalten. Wenn sich diese Erlebnisse im Gedächtnis festsetzen oder ein intensives Erlebnis bedeuten, dann erschweren sie das Einschlaf. Des Weiteren ist es nicht physiologisch, wenn der Schlaf mit der REM-Phase beginnt. Das ist für Narkolepsie, Depression oder von Medikamenten beeinflusste Zustände charakteristisch.

3.2.3.2. Die Vermischung des NREM-Schlafs und der Wachsamkeit

Die aus der Vermischung des NREM-Schlafs und der Wachsamkeit herausgebildeten, speziellen Bewusstseinszustände:

  • Schlafwandel,

  • Das von Angstgefühl begleitete, nächtliche Aufschrecken,

  • Verwirrtheit nach dem Aufwachen.

In diesen Fällen verbleiben entweder die Kennzeichen des NREM Schlafs oder die einzelnen Schritte in Richtung Wiederherstellung der Wachsamkeit, sind noch nicht erfolgt. Die neurologischen Umgebungsmechanismen der Erscheinung werden noch erforscht.

3.2.3.3. Die Vermischung des REM-Schlafs und der Wachsamkeit

Aus der Vermischung des REM-Schlafs und der Wachsamkeit entfährt die REM-Schlafverhaltensstörung, also die Durchführung von stürmischen Bewegungen, während deren die Bewegungen der Person nicht zur realen Umgebung passen. Größtenteils kommt dies in höherem Alter vor, wobei die Person auch gegenüber sich selbst gefährlich sein kann. Häufig ist sie mit den degenerativen Vorgängen im Nervensystem verbunden.

3.2.3.4. Vermischung des NREM- und des REM-Schlafs

Aus der Vermischung des NREM- und des REM-Schlafs kommt der Status dissociatus zustande, der keine klinischen Symptome hat, nur mit Hilfe von Schlafdiagnostik diagnostiziert werden kann, und als die schwerste Form der REM-Schlafverhaltensstörung gilt. Es ist möglich, dass die Person wach ist, oder auch schläft, aber da die Charakterzüge der Schlaf-Wach-Phasen sich ständig vermischen, ist die motorische Unruhe bei diesen Personen fast ein Dauerzustand. Sie tritt in den Fällen schweren Alkoholentzugs oder olivo-ponto-zerebellarer Degeneration auf, aber auch Narkolepsie kann zu diesem Zustand führen.

3.2.3.5. Bewusster Traum/Luzides Träumen

Eine eigenartige Sorte der Träume ist der bewusste Traum, der sog. lucid dream/luzides Träumen, das bedeutet, dass während des Schlafens und Träumens wir uns darüber bewusst werden, dass wir gerade schlafen, und dass das was wir erfassen nur ein Traum ist, sich somit eine Dissoziation herausbildet. Diese Dissoziation verstärkt sich oftmals, weil die Person es wissen und kontrollieren will, ob sie wirklich schläft und träumt, damit sind der Traum, die Bewusstheit darüber und die Anstrengungen zu dessen Kontrolle anwesend. Dann wird die zeitliche und räumliche Orientierung geordnet, die Pläne, die Vorhaben, das logische Denken und die Anstrengung erscheinen. Dieser bewusste Traum ist mit Selbstsuggestion beeinflussbar, manche können dadurch sogar Ihre Träume bewusst beeinflüssen. Dieses Erlebnis bildet sich im Allgemeinen in der REM-Phase heraus. Die Möglichkeit des Mikroerwachens wurde mit Untersuchungen ausgeschlossen, und bei der Hälfte der Menschen kommt es mindestens einmal vor. Der Übergang mit größerer Aktivierung von der NREM-Phase zu der REM-Phase, wird als der Hintergrund der Erscheinung des bewussten Traums angenommen. Die dorsolaterale präfrontale Rinde, die im REM-Schlaf passiv ist, wird dann teilweise doch aktiv, so dass die Person fähig ist, die Trauminhalte tatsächlich als ein Traum wahrzunehmen.

3.3. Veränderte Bewusstseinszustände

Bezüglich zu den veränderten Bewusstseinszuständen gibt es mehrere Kategorisierungen, man kann sie auch gemäß ihrer Erscheinung, und den Arten ihrer Herausbildung betrachten. Anstatt eine Aufstellung aller möglichen Varianten von Bewusstseinszuständen zu machen, werden wir nur die zusammenfassen, die uns beim Verstehen der Erscheinung der Dissoziation helfen. Die veränderten Bewusstseinszustände können auf verschiedene Art und Weise verursacht werden, wie zum Beispiel mit Hilfe von Erhöhung / Minderung der äußeren Reize oder Bewegungsaktivierungen, mit sensorischer Deprivation, anlässlich erhöhter Wachheit (Aufmerksamkeitaktivierung) oder extremer mentaler Beanspruchung (Radarbeobachter), und mit den auf die chemischen und neurophysiologischen Vorgänge des Körpers wirkenden Faktoren (Alkohol).

Die gemeinsamen Kennzeichen der veränderten Bewusstseinszustände anhand der Zusammenfassung von Varga (2008):

  • Die Veränderung des Denkens, die die kognitive Funktionen, wie die Minderung der Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis beinhaltet.

  • Die Veränderung des Zeitgefühls.

  • Die Minderung, das Wegfallen des Realitätsgefühls und der Selbstkontrolle.

  • Die Veränderung, meistens Extremität, des Ausdrückens der Emotionen.

  • Die Auflösung der Ich- und Körpergrenzen und die Erscheinung der sich damit ergebenden körperempfindlichen Veränderungen.

  • Perzeptuelle Deformationen ganz bishin zur Halluzination

  • Die angewachsene Relevanz der eigenen, subjektiven Erfahrungen.

  • Die Knappheit, Exklusivität, Komplexität der verbalen Ausdrucksmöglichkeiten.

  • Erhöhte Suggestibilität.

  • Das Gefühl des Verjüngens, des erneuten Auflebens, der Alterslosigkeit.

3.3.1. Hypnose

Eine der Spezifika der Herausbildung der Hypnose ist, dass wir über ein von zwei Personen erzeugtes Erlebnis sprechen, bei der die hypnotisierte Person mit der Hilfe einer anderen Person in solchem Zustand gerät, wo sich ihre perzeptuellen, Denk-, emotionalen, Erinnerungs- und Orientierungsvorgänge verändern, ihr Realitätssinn modifiziert wird, das Arousal, die Relevanz der Kontrollvorgänge sich vermindern, und die vorbewussten Repräsentationen in diesem Zustand leichter zugänglich werden. Anhand der Definition von Spiegel (1990, zitiert: Merza, 2012, Seite 23.) ist die Hypnose „ein in einer strukturierten Umgebung hervorgerufene, kontrollierte Dissoziation“. Die Kennzeichen des hypnotischen Zustands, als veränderter Bewusstseinszustand:

  • Die intensive Einbindung in die perzeptuellen Erlebnisse,

  • Gute imaginative- und Absorptionsfähigkeiten,

  • Dissoziierte Erscheinungen (die Komponenten der die normalen Bewusstseinszustände charakterisierenden Erlebnisse können einzeln erlebt werden),

  • Suggestibilität,

  • Tiefe mentale Entspannung,

  • Die Veränderung der räumlichen und zeitlichen Wahrnehmung,

  • Verringerung der Initiative zur Verhaltensplanung,

  • Die Selektivität der Aufmerksamkeit,

  • Die leichte Auslösbarkeit, Angeregtheit, das Reichtum der Fantasietätigkeit,

  • Die Veränderung der Strukturierung des Gedächtnisses,

  • Erhöhte Thetaaktivität[77]

Die häufigsten Formen der Hypnose sind: passive (Relaxations-) Hypnose, aktive Wachhypnose, Autohypnose, und Mikrohypnose. Am häufigsten benutzen wir sie mit leistungssteigernden, schmerzlindernden, oder sämtlichen psychotherapeutischen Zielen.

3.3.2. Meditation

Zum Erreichen des meditativen Zustands gibt es mehrere Methoden. Allen gemeinsam ist in diesen, die Einengung der Aufmerksamkeit auf ein Ereignis,[78] die die auf die Reize der Außenwelt gegebene Reaktions- und Antwortfähigkeit auch mindert, hierbei kann eine erhöhte Alpha-Aktivität mittels EEG gemessen werden, die Atmung wird langsamer, eine gestreckte Atmung wird charakteristisch, darauf folgt das Absinken der Herzfrequenz, die autonomen Reaktionen mindern sich auch, aber das Gefühl der Wachheit bleibt subjektiv vorhand.

3.3.3. Relaxation

Die Relaxation ist ein, durch das vegetative Nervensystem und die Veränderung des Muskeltonus erzeugter „entkrampfter“ Zustand, den wir am häufigsten für die Minderung des Disstress oder für Leistungssteigerung, aber auch für therapeutische und Rekreationsziele benutzen. Hierzu gehört die Methode der progressiven Muskelrelaxation, des autogenen Trainings und des katathym imaginativen Bilderlebnisses. Im Relaxationszustand mindert sich die Empfänglichkeit auf äußere Reize, die Reizschwelle erhöht sich, die Aufmerksamkeit richtet sich auf die inneren mentalen Aktivitäten, im EEG erscheint eine Synchronisierung, hierbei ist ein Überwiegen der Alpha-Wellen zu beobachten. Eine emotionale Neutralität, mentale Frische charakterisiert diesen Zustand, ein psychisches und physiologisches Gleichgewicht bildet sich heraus, in dem der vegetative Tonus überstimmt werden kann, die Wirkungen der Angst und des Stresses können korrigiert werden, die emotionale und kognitive Beurteilung der Situation akzeptierbar und konzessiv werden, so können die kognitiven Vorgänge leichter gegründet, umgestaltet undentwickelt werden.

Die selbstregulierenden und Widerstandsfähigkeiten des Organismus werden auch stärker.

4. Stress, Trauma, Entwicklung, somatosensorische Erlebnisse

4.1. Stress[79]

Laut Cannon (1927, zitiert: Atkinson 2003) ist die Stressreaktion, eine auf die Gefahrsituation gegebene adaptive und das Überleben helfende Reaktion. Ihre Bedeutung und der physiologische Vorgang wurde von János Selye (1956, zitiert Molnár, 1987) ausführlich beschrieben. Die Stressreaktion ist die psychophysiologische Antwort auf die die Homöostase störenden Reize. Stressor können alle solche äußere oder innere, emotionale, bewusste oder unbewusste Reize sein, die das physiologische und psychologische Gleichgewicht des Individuums stören. Wenn dies das Individuum als eine Herausforderung erlebt, dann sprechen wir von einem positive Gefühle auslösenden Eustress; wenn es das als bedrohend erlebt, dann ist die Rede von einem negativen, schädigungen hervorrufenden Distress. Beide Reize ergeben eine Stressreaktion und damit führen sie entweder zu Adaptation oder Verteidigung, sowohl auf physiologischer, als auch auf psychischer Ebene. Die den Disstress verursachenden Reize sind allgemein solche traumatischen Ereignisse, die nicht beeinflussbar/oder vorhergesagt (Atkinson, 1997) werden können, je weniger beeinflussbar sie sind, umso größere Reaktionen werden sie im Organismus auslösen. Dessen Wahrnehmen und Auswerten sind aber subjektiv, hängen in großen Maßen von den früheren Erfahrungen, der erlebnisorganisierenden Art des Individuums ab, die von bewussten und unbewussten Funktionen gemeinsam gestaltet werden. Das Gefühl der Kontrolle mindert die vom Stress ausgelöste Angst.

Die auf den Stress gegebenen biologischen Antworten verwirklichen sich durch die charakteristischen Aktivierungsmuster des neuroendokrinen Systems und die Aktivierung der speziellen Gebiete des Gehirns. Die auf den Stress gegebene psychologische Antwort verändert sich bei den Individuen von dem adaptiven Kampf über die Depression, Angst bis zu einzelnen dissoziativen-, Somatisierungsstörungen. Darüber hinaus können noch die psychischen Faktoren auch verbindende Elemente in der Kette der Ereignisse sein, zB: die Antizipation des Stresses, das Gefühl des Kontrollverlustes, die die Stressreaktion verstärken, letztlich können sie zur Herausbildung des biologischen Stresses führen. Erwähnenswert ist, dass sich gelegentlich, bei wiederholenden Stresssituationen, die sog. antizipative (vorgezogene) Angst entwickeln kann, die sich im Benehmen als das Vermeiden der als bedrohend Empfunden Situation zeigt. Das Ziel der physiologischen Stressreaktion ist also die Adaptation, oder die Verteidigung, also vereint es die Gesamtheit solcher adaptiven Vorgänge, die den Organismus auf das Vermeiden oder auf die Bewältigung der Gefahr (fight or flight) vorbereiten, und bei der Wiederherstellung des gestörten inneren Gleichgewicht helfen. Dies kann mit der von Cannon stammenden Alarmreaktionserscheinungen beschrieben werden, die sich als charakteristische Nervensystem- oder Verhaltensantworten zeigen. Die auf den Stress gegebene Erstarrung, Einfrierung (freeze), als Reaktion, sind auch eine auf die Belastung gegebene universalen Antworten, die anscheinend passive Benehmen sind, aber sie sind von der Seite der physiologischen und kognitiven Vorgängen auch aktiven und vielfarbigen Antworten. Obwohl die Lähmung der kognitiven Funktionen in der Begebenheit der Erstarrung vorkommt, doch sieht es so aus, dass wir eher über einer der Art der Flucht in die Gedankenwelt sprechen können. Dieser Art der Verteidigung beruht auf dissoziierten Vorgängen, sie versucht in erster Linie die Person von der Angst zu behüten, wobei sie auch versucht die normalen zur Lebenserhaltung nötigenden Energien zu bewahren oder zu mobilisieren. Sie ist eine solche Verteidigungsreaktion, die äußerlich nicht sichtbar ist, aber dennoch versucht die Erinnerungen zu unterdrücken, damit das Individuum im Alltag, trotz des belastenden Ereignisses zurechtkommen kann. Dann tragen die Personen solche Ereignisse vor, als ob Alles nur ein böser Traum gewesen wäre, oder sie sich nur alles eingebilden würden, sollten tatsächlich Erinnerungen zurückbleiben, so erscheinen sie unwahrscheinlich oder emotionslos.

Der Stress, als Resultat einer ständigen Belastung ist allgemein mit negativen Ausgang verbunden, sowie Maladaptation, Dysfunktion, Psychopathologie. Dasselbe Disstress erweckende Erlebnis kann auf unterschiedlicher Weise sowohl die psychische, als auch die biologische Funktionen beeinflussen und natürlich können auch verschiedene, Stress erzeugende Ereignisse einen ähnlichen Ausgang haben. Bei der Beurteilung der Reize spielen auch die vorhergehenden bzw. früheren Erfahrungen eine Rolle, die sich gleichzeitig auch auf die physiologischen Funktionen auswirken.

Mit Blick auf unser Thema muss es hervorgehoben werden, dass auch psychischen Faktoren die Herausbildung der auf den Stress gegebenen Antwort auslösen können, was von mehreren Faktoren gemeinsam bestimmt wird (physischer Zustand, genetischer Hintergrund, frühere Erfahrungen, Entwicklungsgeschichte). Diese verteidigen die Person und sensibilisieren sie gleichzeitig auf weitere, neue Stress erzeugende Ereignisse.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell (oder Diathese-Stess-Modell) definiert die Erscheinung der Dissoziation, als ein vom traumatischen Erlebnis ausgelöster, selbstregulierender Vorgang, der daher gleichzeitig auch einen Teil, der mit dem Trauma verbundenen Desintegration, darstellt. Bei der Verwirklichung des Modells wird dem operanten Konditionierung und der Reizgeneralisation eine hervorgehobene Rolle beigemessen.

4.2. Die Beziehung zwischen Bindung, Entwicklung und der Trauma-Dissoziation

Im allgemeinen und somatischen Sinne bedeutet das Trauma eine durch äußeren Einfluss entstandene Schädigung, und aus psychologischer Sicht eine solche akute, schockartige Einwirkung, die das Ganze Organismus betrifft, die momentane Verteidigungs- und Bewältigungsfähigkeit der Person überschreitet, Auswirkungen im Leben der Person hat, im Allgemeinem aber nicht adäquat abreagiert und deshalb gewissermaßen als ein Fremdkörper in der psychischen Funktion anwesend sein wird. Nach Ansicht der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft ist ein Ereignis traumatisch wenn, „Das Ereignis, von allgemeinen menschlichen Erlebnissen stark abweicht und bei fast allen Menschen Leid hervorruft...“…“ Diese Definition ist deshalb irrführend, weil wie schon angemerkt die Erfahrung, das Erlebnis, das Gedächtnis aktive und sich ständig erweiternde Vorgänge in Wechselwirkung mit außerordentlich vielen Faktoren sind. Die Erfahrungen sind deshalb in dieser festgelegten Form einzigartig, subjektiv und nicht vergleichbar.

Implizit wurde in diesem Kapitel schon mehrfach die Beziehung zwischen Trauma und Dissoziation angesprochen und die Untersuchungsergebnisse zeigen eindeutig, dass die ätiologische Rolle der Traumas in der Erscheinung der Dissoziation herausragend ist. Ob ein Ereignis bei einer Person zu Disstress führt ist im Verlauf der Entwicklungs- und Bindungsphase ebensowenig vorherzusagen wie während des späteren Lebens. Allerdings gilt es als Tatsache, dass das Risikofaktor steigt, je früher das Trauma auftritt oder je komplexer es ist.

Die primäre Funktion der Dissoziation bei einem akuten Trauma ist die Verteidigung mittels subjektivem Bewahren des Kontrollgefühls, Abstandnahme und sich Entfernen von der Situation. In anderen Fällen kann dies bei der Verhinderung des Bewusstwerdens der Gefühle eine Rolle spielen, was meistens auch das Vermeiden des Gefühls der Angst und Furcht bedeutet, damit oft der Person im Behalten der Wirksamkeit der kognitiven Funktionen helfend. Andererseits kann eine derartige Dissoziation die Festschreibung des Ereignisses im Gedächtnis verhindern. Letzgenannter Fall kann ein Beispiel dafür sein, dass die Dissoziation, trotz ihrer kurzfristigen Nützlichkeit, auf lange Sicht gesehen den Blick auf die Realität behindern kann, und damit zum Risikofaktor der psychiatrischen Krankheitsbilder werden kann.

4.2.1. Psychologische Wirkungen

In den vorherigen Abschnitten erwähnten wir vielmals die Disstress-Wirkungen, die unter anderem auf angenommene oder reale Notfälle andeutende Zeichen sein können. Der Zusammenhang zwischen den aktuellen traumatischen Erlebnissen und den früheren traumatischen Erfahrungen, als sensibilisierender Faktor, wird von Vielen untersucht. Im Hinblick auf die Ergebnisse kann ein einheitlicher Konsens nicht aufgestellt werden. Es kann aber gesagt werden, dass die Entwicklung, Sensibilität und ihre Beziehung zum Trauma die wesentlichen Elemente der jetzigen Bindung- und Stressforschungen sind.[80] Die Bindung und das Bindungsverhalten können wir als ein solches Stress-Regelungssystem definieren, dessen zentrales Element die Angst, dessen Ziel die Optimierung des Ausgangs ist und das nicht nur in der Schutzsuche, sondern auch bei der Aufbau der Bewältigung hilft. (Péley, 2010)

Die sich auf die Entwicklung ausübende Wirkung des Stresses wurde bereits von einem breiten Kreis untersucht, ausgehend von den Tierexperimenten bis zu den Überlebenden diverser Katastrophen, der in PTSD Leidenden und Misshandelten. Es sieht so aus, dass die Bildung eines Konsenses darüber, was genau der Disstress für die Person, der daran erkrankt, bedeutet, wie dieser Disstress sich aufbaut und was für eine Auswirkung auf die kognitiven Mechanismen hat, besonders schwer ist. Es ist schwer den gemeinsamen Punkt zu finden, trotz dessen, dass jeder von und diesbezügliche Erfahrungen hat.

Diese Personen, die einen sicheren Bindungtyp in der Zeit der früheren Entwicklung erfuhren, sind fähig auch im Falle eines andauernden Stresses die positive Haltung aufrecht zu erhalten, hervorzurufen, die negative Empfindungen zu regeln, was eine gesundheitsschützende Wirkung auch hat.

Das frühzeitige Defizit der impliziten Gefühlsregelung, welches gleicherweise vererbte und Erfahrungselemente haben kann, kann eine Fokusierung auf die negativen Emotionen ergeben, dies erhöht auf Nervensystemebene die Affektivität gegenüber Negativem und die Vulnerabilität des vegetativen Nervensystems. Diese Erscheinungen bilden den Hintergrund der auf die traumatische, als unbeeinflussbar gewertete Ereignisse gegebene Reaktionen, denn die bei der Bindung und frühzeitigen Erfahrungen herausgebildete Schemata wirken auf das Bewältigung, auf das subjektive Kontrollgefühl, auf unsere Empfindlichkeit und dadurch auch darauf, was wir als ein Disstress erweckendes Erlebnis empfinden.

Bei den frühzeitigen Traumen ist es nicht nur das traumatische Erlebnis selbst, das auf die Entwicklung der Person eine negative Wirkung hat, sondern der Vertrauensverlust durch das Trauma, oder auch die Schwierigkeit der Aufbau von Vertrauen, der größtenteils im Falle von Misshandlung und Gewalt in der Familien ein solcher interpersonaler Stressor ist, was vielmehr umfassende Folgen und nervliche Sensitivität ergibt: er kann auf mehreren Gebieten der Entwicklung einen Defizit verursachen, sowohl in der Ebene kognitiven, als auch in der emotionalen Regelung. Forschungen unterstützen die These, dass in der Kindheit erlebten chronischen Traumen die hauptsächlichen Prädiktors der Erscheinung der Dissoziationen sind.

4.2.2. Physiologischen Wirkungen

Stress hat (auch) während der Zeit der Entwicklung eine negative Wirkung auf die biologischen und psychologischen Funktionen. Die limbisches-System-Hypothalamus-Hypophysis(LHH)-Achse ist ein biologisches System, das bei Säugetieren die größte Rolle bei der Erscheinung der auf den Stress gegebenen Antwort spielt. Die limbisch-Hypothalamus-Hypophysis-Achse wirkt auch auf andere physiologischen Systeme, auf die metabolischen Vorgänge, auf das Immunsystem, und auf den zirkadiane Rhythmus. Die vom Stress verursachte nicht adäquate Funktionsweise fördert während der Entwicklung die Verletzbarkeit gegenüber Immunkrankheiten, schwächt die kognitiven Vorgänge, und die Erinnerungsfunktion, außerdem spielt es in der Herausbildung von mentalen Krankheiten, beziehungsweise deren Erhalten eine maßgebende Rolle.

Die Stress erzeugenden Erfahrungen bewirken durch die Funktion der LHH-Achse langfristig strukturale und funktionale Veränderungen im Gehirn. Die das Verhalten beeinflussende Rolle der Hormone ist teilweise auch die Folge der auf die Genexpression ausgeübten Wirkung. Forschungen bestätigen, dass die Stresshormone, wie das Cortisol, die Gehirnfunktionen durch die Beeinflussung der Genexpression[81] beeinflussen können. Die Forschungsergebnisse sind widersprüchlich, sowohl bezüglich der frühzeitigen Entwicklung, wie auch im Zusammenhang zwischen den späteren nervlichen Veränderungen und den durch den Stress hervorgerufenen neurophysiologischen Abweichungen. Einige Forschungen maßen bei an PTSD leidenden Personen ein vermindertes Hippokampusvolumen, es wird angenommen, dass Stress hinter dieser Abweichung steht. Auf diesem Gebiet laufen noch Forschungen, es scheint allerdings, dass der Hippokampus im Leben eines Menschen einem ständigen Reifungsprozess unterliegt, daher ist es verständlich, dass die von den traumatischen Ereignissen induzierten Reifeveränderungen hinter der Vulnerabilität der LHH-Achse liegen können.

Die die Funktion der LHH-Achse, besonders den Hippokampus betreffende Veränderungen haben in Allgemeinen auf das Hervorrufen der emotionalen Erinnerungen eine Wirkung, beziehungsweise auch darauf, was für Erinnerungen in Furcht erzeugenden Situationen dominieren und welche Antwort diese gemeinsam auf die erschreckenden Reize erzeugen können.

Die bei Erwachsenen durchgeführten Forschungen demonstrierten, dass sowohl die akute, als auch die chronische Cortisolspiegel-erhöhung sich negativ auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken. Gleichzeitig kann man auch festhalten, dass ein Zusammenhang zwischen der angeborenen LHH-Antwortbereitschaft und den späteren stressigen Erlebnissen gibt und dies macht das Gesamtbild noch komplizierter.

Die chronische Überfunktion[82] der HPA-Achse[83] hat auch Auswirkungen auf den Organismus, auf den Hippokampus schauend ist sie toxisch,[84] sie behindert die Neuro- und die Myelogenese, sich das Niveau der affektiven und kognitiven Fähigkeiten sinkt, und auch die Integration der Informationen wird behindert. In unter Laborbedingungen stattfindenden Stresssituationen, mit einer Gruppe zu einem früheren Zeitpunkt misshandelter Frauen, wurde ein gegenüber der Kontrollgruppe signifikant erhöhter ACTH Antwort nachgewiesen, auch war das biologische Stresssystem bei erstgenannten Probanden um einiges verletzlicher.

Bezüglich der genetischen Zusammenhänge schauen wir uns noch einen Mechanismus, der mit dem Serotoninsystem verbunden ist, näher an. Hamer (2005) formuliert über die Gen-Umwelt Interaktion die Lehre, dass die Gene zur Beeinflussung der chemischen Mechanismen des Nervensystems (in unserem Fall in erster Linie die Funktion des limbischen Systems) fähig sind, dies formt, wie wir die Welt wahrnehmen und erfahren, beziehungsweise auf wie wir sie reagieren können. Damit wird die Person in die Richtung solcher Atmosphäre und Reize beeinflusst, die zu seiner genetisch festgestellten Struktur adäquat ist. Hierbei ist Relevant, dass in der Mehrheit der Fälle nicht nur von einem Ereignis, sondern von einem durch Wiederholung der Ereignisse sich herausgebildetem Muster, die Rede ist, daneben kann das intensive Erlebnis von traumatischen Lebensereignissen einen Ausnahme davon bilden. Eigentlich wird mit dieser Auffassung gesagt, dass die im Genotyp vorhandenen Differenzen im Falle von fehlenden Umgebungskonditionen nicht erscheinen. Die Neurowissenschaften ergänzen dieses Gen-Umwelt-Interaktionsmodell damit, dass sie die Reaktivität und Vermittlerrolle der neuronalen Vorgänge, die Effekte ausblebend, erscheinen lassen und messbar machen.

Das Serotoninsystem ist einer der umfassendsten Hormonsysteme, es beeinflusst das Schlafmuster, das Arousal und auch den Gemützustand, mindert die Dopaminaktivität, in Bezug zuzur psychiatrischen Störungen spielt sie in der Herausbildung der Depression und PTSD eine hervorgehobene Rolle. Seine auf das Gehirn ausgeübte Wirkung ist bedeutend, genauso durchwirkt es das limbische System, wie die Gehirnrinde, den Stirnlappen, den Hippokampus, den Hypothalamus und die Hirnanhangdrüse. Es wurden viele Arten der Serotoninrezeptoren identifiziert, welche durch unterschiedliche Gene bestimmt wurden, aber es gibt nur einen Serotonintransporter, der mit einem im 17q11.1-12-er Chromosom befindlichen Gen, dem sog. SLC6A4 Gen verbinden werden kann. Die Forschungen gerieten lange Zeit in eine Sackgasse, bis Klaus-Peter Lesch (1996) anfing zu untersuchen, wie sich das Gen bei Stresswirkung und hormonalen Faktoren verhält, aus dieser Idee ausgehend fing er mit der Untersuchung des sich vor dem Gen befindlichen Abschnittes der DNS, der sog. 5-HTT[85] an. Der untersuchte Abschnitt beinhaltete in 57 % der Fälle von einer 21-22 Basen langen Sequenz 16 Wiederholungen, in den übrigen 43% trat die Wiederholung aber nur 14mal auf, was insgesamt 44 Basenunterschiede ergibt. Diese Kürzung, Polymorphismus (SERT Genvariation) mindert die Aufnahmewirksamkeit des Serotonintransporters, deren Ausprägung und die Serotoninaufnahme, die mit der Funktion des Proteins RTI-55 verbunden ist. Der längere Genabschnitt stellt fast zweimal so viele Serotonintransporter, mRNA her. Da die kürzere Variante des Gens die dominierend vererbliche ist, verfügt 32% der Bevölkerung mit zwei langen Gene und bei der übrigen 68% übt das kürzere Gen seine Wirkung aus. Dieser Genabschnitt ist aber nur für ein Teil der ganzen Variabilität verantwortlich und die Erforscher vermuten noch die Wirkung von weiteren ca. 11-14 Genen, die noch nicht gefunden worden sind (Lesch 1996, Hamer, 2005).

Stein (2008) untersuchte den Zusammenhang der Wirkungen des SERT-Gen-Polymorphismus, der Angstsensitivität und der retrospektiv beurteilten elterlichen Betreuungsweise in der Kindheit – als Umgebungsstress – (zB.: Ablehnung, Drohung, Hostilität). In seinen Ergebnissen erfuhr er, dass die über polymorphem, also kurzem Gen Verfügenden mit der Hilfe des Fragebogens von höherer Angstsensitivitätberichteten und die negative Behandlungsweise mit größerer Punktzahl beurteilten. Es ist noch hervorzuhebend, dass die die physischen Sorgen betreffenden Anteile der Angstsensitivität Vererblichkeit zeigen. Diese Angst wirkt in Verbindung mit der Polymorphie des SERT-Gens, den frühzeitigen emotionalen Erfahrungen und dem interozeptorischen Körpergefühl verstärkend auf die die Vulnerabilität, damit emotionale Störungen hervorrufend. Die Auswirkung dieses Zusammenspiels lässt sich auch bei den traumatische Ereignisse gegebenen Reaktionen beobachten.

Die weitere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der vorhin bestimmte Standpunkt der Gen-Umwelt-Interaktion teilweise als eine Erklärung zu den die PTSD betreffenden Sensibilitätsdifferenzen dient, die aber nur bei dem Erleben des Traumas, als Umgebungsreiz, bei solchen Personen sich melden, die über die kurzen Variante des SERT-Gens verfügen.

4.2.3. Somatosensorische Erlebnisse

Die vom somatosensorischen System verarbeiteten Informationen teilen wir in epikritischen und protopathischen Empfindungstypen ein. Die Propriozeption, der (sich auf die Lage, den Körper beziehend) Bewegungssinn und der Palläthesie gehören zur epikritischen Empfindungssorten; das Wärme- und Schmerzgefühl sind protopathische Sinnesqualitäten. Dieses System gibt Informationen von dem größten Teil des Körpers, der ganzen Hautfläche, der Schleimhaut, den Körper betreffenden Reizen. Wir unterteilen das afferente System der Somatosensation auf zwei Subsysteme: Hinterstrang-Lemniscus medialis (das lemniskale System) vermittelt die epikritischen Informationen, den erwähnten Feintastsinn, Druckempfinden, Vibrationssinn und die Propriozeption; das anterolaterale (extralemniskale) System macht hauptsächlich die Vermittlung der Schmerz-, Temperatur- und groben Tastreize.

In der Modulation der Funktion des somatosensorischen Systems nehmen der im Vorherigen schon erwähnte chronische Stress, die traumatischen Lebensereignisse beziehungsweise die von ihnen verursachten physiologischen Veränderungen, wie die Veränderung des Cortisolspiegels und deren Folgen, eine wichtige Rolle ein. Allgemein erscheinen sie bei höherem Arousalhintergrund, so dass man die erhöhte physiologische Antwortbereitschaft beobachten kann. Der Zusammenhang des somatosensorischen Systems mit den somatisierenden Störungen ist ein intensiv erforschtes Gebiet, trotzdem ist unser Wissen auf diesem Gebiet noch immer lückenhaft. Die Störungen des Körpergefühls sind multikausal, die genetische Faktoren, die bei den physiologischen Folgen erwähnten immunologischen und endokrinen Vorgänge, erwiesen sich gleicherweise als mitwirkende Faktoren, wobei ihre genaue Funktion noch nicht mal auf Modellebene existiert.

Bezugnehmend auf die traumatischen Ereignisse kann die Informationsbearbeitung auf mehreren Ebenen eine Störung erleiden, denn die neuronalen und darin die kognitiven Vorgänge, wie die Aufmerksamkeit und Sensibilisierung auf die somatosensorischen Erlebnisse, deren Auswertung und subjektive Relevanz eine Wirkung haben. Aus den neuropsychologischen Vorgängen und Störungen, die zu den Interpretierungs- und Empfindungsfehlern der somatosensorischen Reize führen, werden die Selektivität der Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die in der Reizstimulation und Habituation erfolgten Störungen und die erschwerten Assoziationsvorgänge von den Forschungen betont.

Die Belastung, den Stress und das Trauma betreffende Forschungen zeigen in Ihren Ergebnissen die Sensibilisierung der Funktion des somatosensorischen Systems, außer mit den bisher schon erwähnten Faktoren, auch im Zusammenhang mit:

  • Den frühzeitigen Erfahrungen (das Erleben von eigenen Krankheitserfahrungen, traumatischen Erlebnissen, oder von den Krankheitserfahrungen, traumatischen Erlebnissen der Eltern, Familienmitgliedern, sogar auch über Generationen hinweg),

  • Dem erlernten (Lernen der familiären Rollenmuster, Erlernen der gelernten Reaktionen bei der Interpretation von Krankheiten, Symptomen oder physiologischen Erscheinungen; mittels operante Konditionierung herausgebildeten Lernprozesse; die schonendes, vermeidendes oder körperliche Funktionen kontrollierendes Benehmen (checking behaviour)) und

  • Dem ererbten (Temperament, somatosensorische Verstärkung,[86] als stabiles Persönlichkeitsmerkmal) Umgang mit emotionalem Distress, der bei der Auswertung der Empfindungen erscheint.

Diese Personen, bei denen Depression, Angststörungen und PTSD diagnostiziert wurde, sind psychologisch vulnerabel.

Die Deformation der somatosensorischen Erlebnisse kann zur Herausbildung der Somatisierungsstörungen führen, zwischen deren Symptomen die Dissoziation und die Schlafstörung auch zu finden sind.[87]

5. Dissoziation und dissoziative Erscheinungen

Die Definition der Dissoziation haben wir schon mehrmals angeschnitten. Sie bedeutet eigentlich, dass ein Teil des Bewusstseins, ohne den Einfluss einer bewussten Kontrolle, selbstständig zu funktionieren anfängt, damit das Relationssystem des Bewusstseininhaltes verletzend ist. Wir können von alltäglichen (Träumerei, Ablenkung der Aufmerksamkeit, Traum, Meditation) und pathologischen Dissoziationen sprechen. Anhand des DSM-IV-R sind vier dissoziative Störungen diagnostizierbar: dissoziative Amnesie,[88] Fugue,[89] Identitätsstörung[90] und Depersonalisation,[91] aber wir können diese Erscheinungen auch in der psychiatrischen Praxis als Symptom von anderen mentalen Krankheiten (borderline Persönlichkeitsstörung, somatische Störung) antreffen.

Auf ihre Erscheinung können wir keine allgemeine Erklärung geben, aber wir können vom bisherigen Überblick ableiten, dass die Dissoziation nicht im jedem Fall pathologisch ist, denn zahlreiche Symptome treffen wir auch bei der Hypnose und auch bei den Sinnestäuschungen auslösenden Situationen, wie monotone Arbeit, Autofahren. Die zeitweilige Erfahrung der Depersonalisation und Derealisation bei psychologisch gesunden Personen geschieht allermeist durch Schlafmangel, somatische Krankheiten, Fieber, Rauschmittelverbrauch (Medikamente, Alkohol), Monotonie und sensorische Deprivation.

Das genaue Definieren der Dissoziation ist schwer, denn sie bedeutet einen Zustand, und einen Vorgang, aber auch gleichzeitig den Abwehrmechanismus, den das bedroht Sein auslöst. Dazu gehören die in Gefahrsituationen erscheinenden – im Punkt 3.17.4.1. schon erwähnten – über biologisch, evolutionären Hintergrund verfügenden Reaktionen, wie auch die Flucht, Erfrierung-Erstarrung oder Verteidigung (Kampf),[92] die zumeist nicht rational sind, und im äußeren Betrachter nicht den Eindruck einer adäquaten Lösung erwecken.

Die Gefahrsituationen, beziehungsweise als solche eingeschätzten Situationen (oder die an solche Situationen erinnernde Kennzeichen) können, ähnlich zu traumatischen Ereignissen, extremen äußeren Belastungen,[93] natürliche und sonstige Katastrophen, Krankheiten, Kriegsumständen, Überleben von Gewalt und Misshandlung, dissoziativ-konversierenden Antworten auslösen. Disstresssituationen in solchen Maßen verursachen heutzutage mehrheitlich dissoziative- und Somatisierungsprobleme.

Wenn wir die Lebensgeschichten der mit einem dissoziativen Krankheitsbild diagnostizierten Personen vergleichen, erfahren wir, dass vielmals auch sensibilisierende Frühkindheitstraumas neben dem traumatischen Ereignis gefunden werden können, wie zum Beispiel die verschiedenen Formen der Misshandlung.

In den Fällen erscheinen diversen Formen, beziehungsweise Kombinationen der Dissoziation.

5.1. Die Herausbildung der dissoziativen Zustände

Wir werden bei der Herausbildung der dissoziativen Zustände zwei determinative Grundlagen betrachten:

Eine wird als die auf die Dissoziation traumatisierenden Ereignisse gegebene komplexe Reaktion definiert. Die andere betrachtet sie eher als eine Besonderheit in der Persönlichkeit, deren relevanten Elemente in das Diathese-Stress-Modell integriert werden können.

Das zuerst genannte Konzept geht von der in den Informationsbearbeitungsvorgängen, die wegen des Traumas gestört wurden, herausgebildeten Störung aus, wovon sich langfristig eine Anpassungsstörung herausbilden kann. Die Dissoziation unterbricht zu diesem Zeitpunkt die Kontinuität des Benehmens, der Kognitionen, Affekte und Perzeptionen, ein ständiger, einheitlicher Bewusstseinsinhalt kommt nicht zustande, es gibt keine integrierte Bearbeitung. Das schützt das Individuum gleichzeitig auch vor der Gegenüberstellung mit dem traumatischen Ereignis, es kann auch eine Abwehr- oder Bewältigungsfunktion haben. (Wenn die somatisch-vegetative Aktivierung der Mittelpunkt des Dissoziationerlebnisses ist und er von den sensiblen Reaktionen sich dissoziiert, dann können Somatisierungskrankheiten auftreten. Das kann nicht nur als die auf das unkontrollierbare oder traumatische Erlebnis gegebene Antwort sich herausbilden, sondern auch als der Fehlschlag der erfolgslosen Bewältigungsversuchen).

In Folge von extremen Belastungen fällt die Verarbeitung der bedrohlichen Reize aus dem Bereich des Bewusstseins, was in der gegebenen Situation einen adaptiven Nutzen haben kann, aber dessen Fortbestand die alltägliche Lebensführung dysfunktional werden lassen kann. In dessen Hintergrund stehen vielmals solche Lernprozesse, wie die verschiedenen Formen der Konditionierung, Reizgeneralisierung; aber die Umwelt hilft vielmals auch aktiv darin, dass ein Vorgang mit der Verstärkung von differenten Krankheitsvorteilen aufrecht erhalten bleibt. Im Spiegel der psychodynamischen Theorien ist die Dissoziation ein Abwehrmechanismus, der im Allgemeinen Vorgänge der Negierung/Verleugnung, Verdrängung, Regression bedeutet. Es ist wichtig zu betonen, dass kein einziges theoretisches Konzept die Erscheinung mit einem einzigen Grund erklären kann oder will, denn dieser Vorgang wird auch durch die gemeinsame Funktion von multikausalen Faktoren ergeben.

5.1.1. Die Rolle des Gedächtnisses und der kognitiven Vorgänge in der Herausbildung der Dissoziation

Bezugnehmend auf das Bewusstsein haben wir auch schon erwähnt, dass die beständige Funktion dessen das Erlebnis der Standhaftigkeit unserer Selbstidentifikation und Existenz erzeugt. Im Falle der normalen Funktion ist der Aktivierungszustand des Gehirns einheitlich, hingegen macht das Trauma ihn inkongruent und damit kann sich das Erlebnis verändern, auseinanderbrechen, denn die Gedächtnisfunktionen können dadurch auch beeinträchtigt werden. Das Gedächtnis ist sowieso verletzlich, denn Erinnerungen können verblassen, beziehungsweise während des Vorgangs des Erinnerns im Erinnerungskontext sich verändern. Die verschiedenen Gedächtnisssysteme funktionieren grundsätzlich gemeinsam, aber die die Funktion des Nervensystems betreffenden, sich langfristig wiederholenden oder einmaligen aber schockartigen negativen Belastungen wirken sich auch auf die kognitiven Vorgänge aus. So fokussieren sich die kognitiven Theorien der Dissoziation auf die Desintegrierung, Auseinanderbrechung der bezüglich zum Trauma erscheinenden Erinnerungen, die die Funktion der normalen Bewusstseinsvorgänge unterbrechen. Wegen der fragmentierten Speicherung der physischen Handlung (B: behaviour), der Gefühle (A: affect), der somatosensorischen Erlebnisse (S: sensation), und der das Bewusstsein charakterisierenden kognitiven Vorgänge (K: knowledge) funktioniert das Gedächtnis ähnlich isoliert, es ist für das Bewusstsein nicht willentlich zugänglich.[94] Die bruchstückhaften Erinnerungen aber, als ob sie ein selbstständiges Leben führen würden, brechen in erster Linie in somatosensorischen – und somatomotorischen Form ins Bewusstsein ein, als eine auf die Umwelt gegebene Reaktion.

Bei der Herausbildung der posttraumatischen Belastungstörung werden die kognitiven Vorgänge von höherem Wert und deren Vereinheitlichung zu einem einheitlichen Erlebnis von der Dissoziation betroffen. In Verbindung mit dem Durchleben des Traumas ist die Bewusstheit eingeschränkt, daher bleiben in erster Linie die perzeptuellen Erfahrungen zurück. Wegen der, infolge der Dissoziation erscheinenden, datengesteuerten Verarbeitung werden diese perzeptuellen Erlebnisse kontextlos, daher können diese absichtlich gar nicht, oder nur teilweise zurückgeholt werden (Kompartimentierung). Daneben brechen aber von Zeit zu Zeit, in erster Linie auf sensorische und sensible Elemente aufbauende Erinnerungsspuren wieder ins Bewusstsein hinein, oder sie erscheinen flashback-artig als ein komplexes Erlebnis, während dessen die Person eine intensive Bedrohung durchlebt, gleich, wie bei den herausbildenden kognitiven Deformationen.

In Verbindung mit der Angsreaktion des Traumas übernimmt die Amygdala die schnelle Reaktion und die schnelle Vermittlung der sensorischen Informationen, dem Individuum darin helfend, möglichst schnell und möglichst effektiv auf ein Notfall oder auf eine traumatisches Erlebnis verheißende Situation reagieren zu können. Sie reagiert schnell auf die primäre, sensorische Informationen, bewertet die früheren Erfahrungen, und kann die Kontrolle über das perzeptuelle System übernehmen, wenn die Anzeichen als emotionell relevant beurteilt werden. So sensibilisieren die früheren, traumatischen Erfahrungen den Aufmerksamkeitsfilter. Dieser Vorgang kann mit, aber auch ohne die Einbeziehung der Hirnrinde erfolgen.

Im Folgenden betonen wir die hauptsächlichen Elemente der auf das Gedächtnis ausgeübten Wirkungen der Disstress bedeutenden Mehrbelastungen, die den ausführlicheren Hintergrund der obigen Vorgänge bedeuten.

Die Dissoziation des Gedächtnisses erscheint also:

  • Bei den zwischen den Gedächtnisfähigkeitssystemen bestehenden allgemeinen Relationsstörungen; – wegen des verstärkten emotionalen Stresses kommen die entsprechenden Zusammenhänge zwischen den parallelen Vorgängen nicht zustande, es gibt keine Integration,

  • Bei der Funktion des Arbeitsgedächtnisses; – dessen Beschädigung, emotionale Mehrbelastung das erfolgsreiche Zustandekommen der Informationsgewinnung stört und sich langfristig negativ auf die Anpassung des Individuums langfristig negativ auswirkt,

  • Im episodischen Gedächtnis; – ein Merkmal dessen ist, dass es die Ereignisse und persönlichen Erfahrungen nach den emotionalen Modalitäten speichert, was bezugnehmend auf die traumatische Ereignisse auch relevant ist.[95]

  • Beziehungsweise darin, wie die emotionalen Erinnerungen die Aufmerksamkeitsvorgänge deformieren und deswegen den Schwerpunkt der Erinnerungen auch sensibilisieren.

Ein Beispiel der Relationsstörungen zwischen den Systemen der Gedächtnisfähigkeit ist, wenn das traumatische Ereignis nicht ins explizite Gedächtnis gelangt und der emotionale Aspekt des Ereignisses, worin zumeist die Angst dominiert, im impliziten Gedächtnis verbleibt. Indem das explizite Gedächtnis später reif wird als das implizite, so wird seine Funktion schon davor von den frühzeitigen (ca. bis zum anderthalb jährigen Alter erlebten) traumatischen Ereignissen geformt, und und bis die expliziten Erlebnisse damit verbunden werden, sind diese deformiert/verfälscht oder es bildet sich eine ganz neue (Re)Organisation der Vergangenheit heraus.[96] Die andere Wirkung hängt mit der schon erwähnten (Abschnitt 3.17.4.2.2) Cortisolstand-Veränderung und der Variation des SERT Gens zusammen, die ein Zellsterben des Hippokampus bewirken können, beziehungsweise auf die Funktion der LHH-Achse und auch auf das Hervorrufen der emotionalen Erinnerungen in Allgemeinen Einfluss nehmen können. Die Gesamtheit dieser Wirkungen ergibt, dass die mit dem traumatischen Ereignis zusammenhängenden Erinnerungen aber auch die damit verbundenen emotionellen und somatosensorischen Erfahrungen, im Gedächtnis isoliert und unzugänglich abgekapselt werden (je frühzeitiger das traumatische Ereignis, desto stärker ist diese Funktion). Nach der Herausbildung des expliziten Gedächtnisses hinterlassen die traumatischen Ereignisse sowohl im expliziten, als auch im impliziten Gedächtnis eine Spur, aber die Zugänglichkeit der expliziten Erinnerungen ist auch zu diesem Zeitpunkt erschwert, durch die Wirkung des Traumas wird keine Verbindung zwischen den beiden Gedächtnisfähigkeitssystemen geben, so wird die Organisierung des Gedächtnisses letztlich dissoziiert. Die Situation wird von der durch die Amygdala vermittelten Angstantwort verschlimmert, hieraus ergibt sich eine erhöhte Aufmerksamkeitsreaktion, so entstehen die die ins Gedächtnis einbrechenden, bruchstückhaften,, kontextlosen Bilder (flashback), und die Köperempfindungen (die physiologische Symptome der Angst). Ohne die Integration des impliziten und expliziten Gedächtnisses können diese „Phantasmagorien“ nicht verstanden und verankert werden, und es kann sich keine einheitliche Repräsentation von diesen herausbilden.

Außerdem können wir auch von einem Vorgang sprechen, der das Hervorrufen der im expliziten Gedächtnis gespeicherten Erinnerungen behindert. Dahinter steht zumeist die hohe Intensivität der gespeicherten Erinnerung (größtenteils auf wiederholende Traumatisierung folgend), zu diesem Zeitpunkt wird eine von rechten frontalen Lappen induzierte Blockade. Es wurde noch nicht erwähnt, dass nach der Herausbildung des expliziten Gedächtnisses im Kindesalter, die Erinnerungsvorgänge noch Verletzungsanfälliger sind, weil das Quellengedächtnis wegen den Reifvorgängen der frontalen Rinde noch eine Weile lang unzuverlässig ist, also die Realität und die Fantasie sich vermischen, daher können bei emotionalen Einwirkungen unzuverlässige Erinnerungen gespeichert werden, deren frühzeitige Verletzung, Sensibilisierung für die späteren Dissoziation auch verantwortlich sein kann.

Diese kurze Zusammenfassung zeigt auch, dass die Erfahrung der traumatischen Ereignisse die kognitiven und emotionalen Funktionen, in Abhängigkeit vom Lebensalter und den Eigenheiten der erlebnisverarbeitenden Prozesse, im Kontext der andauernden Bestehung der Dissoziation organisiert und so auch zu der Veränderung der Reaktionen, der Mentalität der Persönlichkeit führen kann.

5.1.2. Die Theorie der strukturellen Dissoziation

Die Theorie der strukturellen Dissoziation kann im Zusammenhang mit den bisher Festgestellten gebracht und das dargestellte Bild sogar damit verfeinert werden, dass sie die vom Trauma ausgelösten Reaktionen in einen evolutionären Betrachtungswinkel setzt. Die Theorie teilt die psychobiologischen Systeme anhand ihrer Funktion in zwei Gruppen. Eine ist für das alltägliche Funktionieren verantwortlich (Reproduktion, Bindung, Fürsorge, Ernährung, etc.), die Andere für das Überleben (Kampf, Flucht, Erstarrung). Diese zwei Systeme werden fragmentiert, hauptsächlich im Falle der frühzeitigen Traumen. Das letztere funktionale System verbindet sich mit dem Trauma das sog. emotionaler Persönlichkeitsanteil (EP) bildend, währenddessen das funktionale System der alltäglichen Funktionen, das den Namen anscheinend normale Persönlichkeitsanteil (ANP) bekam, die Funktionsweise betrachtend darauf eine Amnesie aufweist. Die klassische Konditionierung erhält die vom Trauma verursachten Wirkungen aufrecht, später zeigt das assotiative Lernen einen Weg zur Vermeidung der an das Trauma erinnernden Informationen auf, somit wird die Dissoziation ein Dauerzustand und der für die alltäglichen Funktionen zuständige Persönlichkeitsanteil erleidet scheinbar keine Beeinträchtigung. Das ist aber nur eine Illusion, und immer mehr Dinge müssten zur Ausführung der alltäglichen, normalen Funktionen vom System unter Kontrolle gehalten werden, die verschiedenen Reize erscheinen immer weniger prognostizierbar, somit kommen immer mehr Reize durch das assoziative Lernen mit dem traumatischen Erlebnis in Verbindung. Die Abwehr- und das Ausweichmechanismen werden verstärkt, die Ausführung der normalen Funktionen verschlimmert sich maßgeblich. Die Schwere der strukturellen Dissoziation ist dimensional beschreibbar, so können wir in aufsteigender Reihenfolge von primärer, sekundärer und tertiärer struktureller Dissoziation sprechen.[97]

6. Trauma

Das traumatische Lebensereignis ist das häufigste Disstress auslösende Erlebnis, das zur Dissoziation der Organisierung des Bewusstseins führen kann.

Im Abschnitt 3.17.4.2 haben wir schon den Begriff des Traumas definiert, das eigentlich die die Identität von außen bzw. -innen bedrohende und gefährdende Erlebnisse beschreibt. Es muss noch einmal betont werden, dass diese Erlebnisse die Gesamtheit des Organismus betreffen, die Verteidigungsmöglichkeiten und Bewältigungsfähigkeiten des Individuums überschreiten, die früheren Denkschemen umschreiben, und zu Leid führen. Die Person erlebt beim Auftreten des Traumas meistens Hilflosigkeit, Angst, Bedrohung, Ausgeliefertsein. Solche Ereignisse können gewaltsame Geschehen, Katastrophen, Unfälle, Misshandlungen, Konfrontationen mit dem Tod als Augenzeuge, oder auch als Opfer sein, aber wir können auch über eine transgenerationale Traumatisierung sprechen.[98]

Das traumatische Ereignis erschüttert das Sicherheitsgefühl des Menschen, und verändert seine über das Vertrauen, die Glaube, Beziehung, Anpassungsfähigkeit, Autonomie, von sich selbst und anderen, dem Sinn und der Verständlichkeit des Lebens gebildete Vorstellung, die Chance auf dissoziierende und Entfremdungsvorgänge erhöhend.

Die von den traumatischen Ereignissen ausgelösten Reaktionen können in drei Kategorien unterteilt werden.

  1. Akute Stressreaktion. Normale Erscheinung, ergibt sofortige, kurze Zeit dauernde, physiologische Veränderungen, die einen Bereitschaftszustand bewirken, das Individuum auf die Flucht oder das Kämpfen vorbereitend. Ihr Maß wird von der individuellen Verletzungsanfälligkeit bestimmt. Wegen ihrer kurzen Dauer klingt sie schon im Verlauf der Krisenintervention ab.

  2. Langfristigere psychologische Reaktionen. Die Stressantwort wird von mehreren Faktoren gemeinsam bestimmt. Frühere Traumas, physischer Zustand, genetisches Erbe, Entwicklungsgeschichte, vorangegangene Erfahrungen beschützen und sensibilisieren die Person gleichzeitig gegenüber neueren und späteren stresserzeugenden Ereignissen. Während dieser längeren Phase bildet sich das einzigartige Verhältnis zum Trauma heraus, die von den Symptomen der Depression und Angst bis zu der posttraumatischen Belastungsstörung erstreckt.

  3. Es erscheint auch die Bewertung des Traumas als ein nicht reales Geschehen. (Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD – post traumatic stress disorder)

Abbildung 3.148. Abbildung 4.: Illustration zur PTSD

Abbildung 4.: Illustration zur PTSD

Die traumatischen Ereignisse, wie wir es schon erwähnten, können auch zu mehreren Stresskrankheiten führen, unter anderem zu Angst- und dissoziative Störungen. In diesem Kapitel ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS oder die Abkürzung aus dem Englischen: PTSD) relevant, daher werden wir es etwas näher betrachten.[99]

Eine PTSD kann in dem Fall diagnostiziert werden, wenn die Person ein oder mehrere, intensives, unvermeidliches, traumatisches Ereignis erlebt, worauf sie mit Angst oder desorganisiertem Verhalten reagiert, und eines der folgenden Symptome mindestens einen Monaten lang besteht:

  • Der Trauma wird von der Person wiederholt wiedererlebt (B); (Vorliegen eines oder mehrerer Symptome)

  • Anhaltende Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma verbunden sind (C); (Vorliegen von 3 oder mehrerer Symptome)

  • Die Symptome der erhöhten psychologischen Arousal/Bereitschaft/Überregung bestehen andauernd (D), (Vorliegen von 2 oder mehrerer Symptome) (sie kann bei Kindern in einer desorganisierten oder agitierten Verhaltensform ausgedrückt werden).

Das Kennzeichensystem gemäß dem DSM-IV-R[100] stimmt mit dem von Herman (2003) Zusammengefasstem überein, wonach die posttraumatische Belastungsstörung grundsätzlich drei Symptomgruppen beinhaltet. Diese können zu folgenden Begriffen zusammengefasst werden:

  • Erinnerungseinbrüche (B): sie erscheinen auch im wachen Zustand auf eine spontane Art im Bewusstsein, wie Nachhallerinnerungen (Flashbacks); ausführliche, emotionelle, traumatische und sich öfters wiederholende (Alb)Träume; des Öfteren in Form von an Kontext und Narrative mangelnden somatosensorischen Erlebnissen, Empfindungen.

    Diese traumabedingten Träume, betrachtet man Ihre Merkmale, weichen von den gewöhnlichen Bewusstseinszuständen ab, zum Beispiel treten sie nicht in der gewohnten Schlafphase auf oder sie lösen eine exzessive Reaktion aus. Daneben kann auch die Wiederholung, der Wiederholungszwang des Traumas beobachtet werden, die meistens starke Emotionen auslöst, die Symptome noch weiter verstärken und die Lebensqualität verschlimmern kann.

  • Die Einengung (C): dazu gehören in erster Linie partielle oder vollständige Dissoziationserlebnisse, beziehungsweise dissoziative Abwehrmechanismen. Sie bildet sich aus den mit der Veränderung des Bewusstseinszustands zusammenhängenden Symptomen des PTSD-s, die dem Beobachter genauso Stumpfheit, Betäubtsein, Gehaltlosigkeit, Gelassenheit, wie auch intensive, hauptsächlich mit Wut und Schmerz verbundenen negativen Gefühle vermitteln können. Häufig kommt die Vermeidung der an das traumatische Ereignis erinnernden Gedanken, Gefühle, Aktivitäten vor, sowie der Mangel an Interesse, Initiative und der Verlust von Zeitgefühl, Zukunfstbild, Voraussicht und Planung. Wegen der gemeinsamen Merkmale, wie intensivere Bildwahrnehmung, subjektives Entfernen, die Einstellung des kritischen Denkens, die veränderte Art der Sinneswahrnehmung wie Körpergefühl, die Veränderung des Zeitgefühls, Derealisation, etc., wird das Erlebnis öfter auch dem mit hypnotischen Transzustand verglichen. In Folge dessen bildet sich eine solche Kontrolle heraus, die prinzipiell auf die Vermeidung der Erinnerung auf die traumatischen Erlebnisse zielt, aber sie engt nur den Lebensraum der Person ein und verstärkt, stabilisiert die Wirkungen des Traumas.

  • Hiperarousal (D): die physiologische Stressreaktion, die die Flucht oder die Bewltigung des belastenden Ereignisses möglich machen würde, ständige Aufrechterhaltung im das Zurückkehren der Gefahr abzuwehren. Reizbarkeit, Unruhe, erhöhte psychische Sensitivität und Erregung, Hypervigilanz, Übererregtheit, Schlafsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Angststörung, Vigilanzsteigerung im Wachzustand sind charakterestisch.

Die Trauma durchlebende Person kann, wegen den genannten typischen Symptomen, die Erlebnisse nicht integrieren, sie findet kein inneres Gleichgewicht. Der Trauma Erlebende „windet sich in der Falle der Extremitäten: entweder leidet er an einer Amnesie, oder erlebt das Trauma immer wieder…er drosselt entweder impulsiv oder in ganzen Maßen ab“ (Herman 2003. Seite 66.).

Die Erfahrung des traumatischen Ereignisses verändert die Funktion von mehreren Gebieten:

  • Der Gefühlsregelung (zB: Explosivität oder Bedrücktheit),

  • Der Funktion des Bewusstseins (dissoziative Erlebnisse, Gedächtnisverlust oder Hypermnesie)

  • Der Selbsterkennung (Beschämung, Schuldgefühl, Selbstanklage, Hilflosigkeit, Einsamkeit, veränderte Identität)

  • Die Wahrnehmung des Täters (Rachegelüste, irreale Machtphantasien, paradoxe Gefühle)

  • Der menschlichen Beziehungen (Vereinsamung, Misstrauen)

  • Und die Veränderung der Bewertungssysteme (Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung).

7. Die Therapie des PTSD

Das Trauma hat auf jedes Gebiet des Lebens eine Auswirkung, von der physiologischen Ebene über die Gefühlsverarbeitungsvorgänge bis hin zum Verhalten, es wurde aufgezeigt, dass die Person auf zahlreichen Gebieten mit veränderten Reaktionsmustern weiterlebt, deshalb ist auch die Anpassung auf eine umfassende Behandlung notwendig.

Das Modell von Judith Herman (2003) folgend steht bei der Bearbeitung des Traumas die Schaffung von Sicherheit an erster Stelle, dann die Rekonstruktion der Geschehenen und die Herstellung der Beziehungen. Andere Ansätze behandeln die Schaffung von Sicherheit und die Herstellung des Vertrauens getrennt (Eckardt 2005). Alles, was während der Therapie geschieht, zielt eigentlich auf die Integration der durch das Trauma segmentierten Teile, die in einer sicheren Umgebung geschehene Vereinigung der Dissoziation.

Die wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Therapien zählen wir im Nachfolgenden auf:

  1. Die kognitive Verhaltenstherapie in erster Linie eine Expositionsttechnik um die Gefühle, die Gedanken, das Verhalten und die physiologischen Vorgänge in eine geeignete Richtung zu lenken und die Angst und Abwehrmechanismen zu vermeiden. Auch ist eine kognitive Umstrukturierung in dieser Behandlungsform von Bedeutung

  2. Medikation, mit der die Angststörungen, Schlaflosigkeit verringert werden können.

  3. Gruppentherapie, in dessen Verlauf die Erkrankten mit anderen Menschen zusammen mit den durch das Trauma verursachten Schwierigkeiten / Herausforderungen kontfrontiert werden

  4. Die Psychoedukation, also die Informierung, das Einziehen der Familie und des Freundenkreises. Die Beziehung zur Umwelt ist ebenfalls ein wichtiges Element

  5. Supportive einsichtorientierte Therapie

  6. Psychodynamische Trauma-Therapie – die intrapsychische Bearbeitung und Integration des Traumas steht im Vordergrund, dann wird die Rekonstruierung der Self-Identität das Ziel, die Methode basiert auf der Rolle der im therapeutischen Vverhältnis zustande kommenden Übertragung und Gegenübertragung

  7. Narrative Zeugnis-Therapie, narrativeExpositionstherapie – Helfen bei der Erstellung eines kohärenten autobiographischen Gedächtnisses mit den Mitteln des Zeugnisses (testimony)[101] und der Verhaltenstherapie.

  8. EMDR – Eye Movement Desensitisation and Reprocessing – Mittels Stimulation der Funktionen der linken und rechten Gehirnhälfte werden Beziehungen zwischen Erinnerungen und Informationen hergestellt. Unterstützen damit die Verarbeitung des Traumas.

Abbildung 3.149. Animation 1. (Abbildung 5.): EMDR illustration

Animation 1. (Abbildung 5.): EMDR illustration

8. Zusammenfassung

In diesem Kapitel haben wir die häufigste Veränderung bei der Wahrnehmung von Erfahrungen / Erlebnissen, die Dissoziation der Funktionen des Bewusstseins bedingt durch ein traumatisches Erlebnis, betrachtet.. In solchen Fällen ist die Rekonstruierung, Integration der von der Dissoziation gespalteten Funktionen das Ziel der Therapien, wozu das Verstehen der normalen und dissoziativen Organisierung der Erfahrungen nötig ist.

Die Inhalte des Bewusstseins bilden im Wachzustand:

  • Einen einheitlichen, zusammenhängenden Kontext durch die Verwirklichung der kognitiven Vorgänge,

  • Die Defintion des Selbst in Zeit und Raum mit Hilfe der ständigen Erfahrungsorganisation;

  • Eine Hilfe beim Treffen von logischem, geplantem Verhalten;

  • Die Organisierung des Verhaltens;

  • Die Kontrolle der Umwelt und von uns Selbst.

Solange die Arbeitsweise des wachen Bewusstseins von der Fantasie oder den Träumen grundsätzlich nicht gestört wird, können die traumatischen Ereignisse eine dissoziierende Wirkung auf sie haben, damit eine Bewusstseinsstörung ergeben. In diesem Zustand verändert sich auch schon die Reizselektion des Vorbewussten und bei dem Hervorrufen der Erinnerungen dominiert auch eine erhöhte Sensitivität. Die wesentliche Funktion der erhöhten Sensitivität ist die wirksamere Abwehr der gefährlichen Reize, was aber nur übergangsweise verwirklicht werden kann. Im Unbewussten befindet sich der Berreich der mentalen Vorgänge, wo die schmerzhaften, traumatischen Ereignisse gespeichert werden können, in der Hoffnung, dass sie von der bewussten Vorgängen separiert werden können. Wenn die Verteidigung wegen des negativen traumatischen Lebensereignisses eine Dissoziation ergibt, dann kann das sog. „gespaltene Bewusstsein“ zustande kommen, das für die langfristige Bewahren der Kontrolle wiederum nicht geeignet ist.

Der Schlaf ist einer der relevanten Hintergrundvorgänge der Informationsverarbeitung, der Gedächtnisfunktionen und der einheitlichen Funktion des Bewusstseins, daher ist es nicht verwunderlich, der Schlaf der traumatisierten Person auch gestört wird. Die Ein- und Durchschlafstörungen sind die verhindernden Faktoren der Informationsverarbeitung, und spielen dadurch eine (wichtige) Rolle bei der Aufrechterhaltung der Dissoziation. Die tagsüber charakteristischen Funktionen zur Vermeidung der mit dem Trauma zusammenhängenden Reize bestehen praktisch auch im Schlaf, damit wird eine bewusste Verarbeitung verhindert. Dies verhindert die Konfrontation mit den unkontrollierbaren, schmerzlichen Emotionen, erhalten eine Scheinsicherheit und Scheinkontrolle aufrecht, aber sie helfen nicht bei der Problemlösung. Da die (immunologische) Rekreation eine sehr wichtige Funktion des Schlafes ist, wird die mit einer Schlafstörung kämpfende Person nicht nur psychologisch, sondern auch physiologisch immer erschöpfter. Hieraus resultierend wird das wahren des Gleichgewichts im Leben der betroffenen Person immer schwerer, es kostet immer mehr Anstrengung und Energie. Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, dass im Verlauf der Trauma Verarbeitung und - Therapie, die speziellen Bewusstseinszustände wie Relaxation (Entspannung), Imagination und Hypnose, also die in einer kontrollierten Umgebung verwirklichte Dissoziation, eine sichere organisation und rekonstruktion des Gedächtnisses und eine minderung der Disstressreaktion ermöglichen können. Die Flucht in die innere Erlebniswelt, die eine der dominantesten Elemente der Disstressreaktionen ist, koppelt im Verlauf der Erstarrungsphase (freeze reaction) das Erlebnis von der Wirklichkeit und damit von den Bewusstseinsfunktionen ab. In der Therapie werden dann die Belastung auslösenden Erlebnisse, Gefühle erneut integrierbar und die Abwehrmechanismen werden den tatsächlichen, individuellen und wirksamen Bewältigungsmethoden abgelöst..

Untersuchungen und Therapieergebnisse belegen, je früher, komplexer und öfter im Leben eines Menschen ein traumatisches Ereignis eintritt, umso mehr werden das Sicherheitsgefühl, und die physiologische bzw. psychologische Anpassungsfähigkeit der Person geschädigt. Sicherheit bedeutende Beziehungen, die sichere, vertrauensvolle Bindung sind schützende Faktoren, die wertvolle Ressourcen im Heilvorgang bereitstellen. In Ermangelung derer ist ihre Erschaffung der primäre Schritt. Auf diese Art kann mit der Verminderung des emotionalen Distresses die Grundlage der weiteren Veränderungen gebildet werden. Im Weiteren werden die Reintegration der Erinnerungen, der kognitiven Vorgänge, der Gefühle ermöglicht und damit auch die Auseinandersetzung mit der dissoziativen Funktionsweise.

In der Gruppe der Angststörungen ist das PTSD eine solche Kombination von Symptomen, welche den gesamten Ablauf der, aufgrund des traumatischen Ereignisses erfolgten, Bewusstseinsveränderungen zusammenfasst und das mit dem Ziel, mittels Herbeiführung, Realisation und Charakterisierung einer strukturellen Dissoziation, die Erhaltung der Alltagsfunktionen sicherzustellen. Das Verständnis der (PTSD) Vorgänge und seiner Zusammenhänge sind unerlässliche Werkzeuge bei der Erstellung eine realisierbaren Behandlungsplanes, denn das Aufsuchen eines Therapeuten findet bei der Mehrheit der Patienten infolge der erdrückenden Schwere der somatischen Symptome (Schlafstörung, angstgesteuerte physiologische Symptome) statt, schließlich wird von den Betroffenen keine Verknüpfung zwischen den somatischen Beschwerden und den relevanten emotionalen Informationen hergestellt bzw. sind sie dazu nicht fähig. Der mit der somatischen Behandlung vertraute Fachmann behandelt, in den meisten Fällen, das physiologische Symptom mit seinem besten Wissen, doch er kann keine seinen Patienten, ohne die Kenntnis des umfassenden Gesamtbildes, keine dauerhafte Lösung bieten. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass die Anamnese in jedem Fall auch das subjektive Erleben der Symptome zusammen mit der Kartographierung der konkreten und relevanten psychosozialen Informationen umfasst.

Testfragen

  1. Folgendes trifft auf die Inhalte des Bewusstseins nicht zu:

    1. Erinnerungen und Gedanken sind Bewusstseinsinhalte

    2. Die inhaltliche Zusammensetzung des wachen Bewusstseins unterliegt ständigen und dynamischen Veränderungen

    3. Ist hauptsächlich nicht durch Logik gekennzeichnet

    4. Die Bewusstseinsinhalte beziehen sich sowohl auf externe Reize wie auch auf innere Erlebnisse

  2. Welche der folgenden Ausdrücke bezeichnen keinen Bewusstseinszustand:

    1. Wachzustand

    2. NREM-Schlaf

    3. REM-Schlaf

    4. Das Vorbewusste

  3. Ist kein Merkmal des NREM-Schlafs:

    1. Atmung und Herzfrequenz verlangsamen sich im NREM-Schlaf

    2. Unterteilbar in vier Abschnitte

    3. Der angenommene Zweck ist Regeneration und Energieerzeugung

    4. Im NREM-Schlaf können mittels EEG Beta- und Gammawellen registriert werden

  4. Merkmal des REM-Schlafs:

    1. Erhöhte Aktivität in Gehirnrinde

    2. Mittels EEG können Deltawellen registriert werden

    3. In bestimmten Abschnitten erscheinen K-Komplexe

    4. Visuelle Inhalte sind nicht charakteristisch

  5. Nicht charakteristisch für die Hypnose:

    1. Intensive Einbindung in perzeptive Wahrnehmungen

    2. Selektive Aufmerksamkeit

    3. Zeit- und Raumgefühl sind unverändert

    4. Erhöhte Theta-Aktivität

  6. Für die Dissoziation nicht charakteristisch:

    1. Ist immer pathologisch

    2. Die Einheit der Bewusstseinsinhalte wird aufgebrochen

    3. Kann eine Reaktion auf traumatische Ereignisse sein

    4. Dissoziationen können vorübergehend adaptiven Nutzen haben

  7. Traumatische Ereignisse provozieren Reaktionen die zu verschiedenen Krankheiten führen können. Welche der genannten gehört nicht dazu?

    1. Angststörungen

    2. PTSD / Posttraumatische Belastungsstörung

    3. Dissoziative Störungen

    4. Demenz

  8. Welche ist die korrekte Reihenfolge des PTSD-Behandlungsmodells?

    1. Erzeugen von Sicherheit – Herstellung von Beziehungen – Rekonstruktion des Geschehenen

    2. Rekonstruktion des Geschehenen – Herstellung von Beziehungen – Erzeugen von Sicherheit

    3. Erzeugen von Sicherheit – Herstellung von Vertrauen – Rekonstruktion des Geschehenen – Herstellung von Beziehungen

    4. Herstellung von Beziehungen – Herstellung von Vertrauen – Erzeugen von Sicherheit

  9. Bei der PTSD Therapie nicht benutzte Methode(n):

    1. EMDR

    2. Narrative Expositionstherapie

    3. Supportive einsichtorientierte Therapie

    4. Ablenkung oder Umsetzen der Aufmerksamkeit

  10. keine Kennzeichen der Wachsamkeit:

    1. Die Wachsamkeit ist die energetischen Merkmale des Bewusstseins

    2. ARAS nimmt eine aktive, regulierende Funktion in der Wachsamkeit ein

    3. Die traumatischen Ereignisse können die Funktion der Wachsamkeit beeinflussen

    4. Arousal und Vigilanz werden in diesem Zustand objektiv erlebt

  11. Die inhaltliche Zusammensetzung des wachen Bewusstseins (nichtzutreffendes streichen):

    1. Kann als statisch beschrieben werden und bezeichnend ist das Fehlen von Phantasie

    2. Ist durch fokussierte Aufmerksamkeitsfunktionen unterstüzt

    3. Ist hauptsächlich durch progressive Abläufe gekennzeichnet

    4. Wird aktiv durch die Funktion des Arbeitsgedächtnisses unterstützt

  12. Gehört nicht zu den Funktionen des Bewusstseins:

    1. Aufmerksamkeit

    2. Orientierung in Zeit und Raum

    3. Konstruieren des Selbstidentitäterlebnisses

    4. Aktivierung von Abwehrmechanismen

  13. Woher kommt der Begriff des Unbewussten?

    1. Lerntheorie

    2. Psychoanalyse

    3. Neuropsychologie

    4. Positive Psychologie

  14. Wie lange dauert ein durchschnittlicher Schlafzyklus?

    1. 45 – 60 min

    2. 100 – 120 min

    3. 90 min

    4. 180 min

  15. Wie verändert sich die Dominanz der REM-Phasen mit fortschreitendem Alter?

    1. Keine Veränderung

    2. Nimmt ab

    3. Nimmt zu

    4. Abhängig von der individuellen Aktivität

Literaturverzeichnis

Atkinson, R.L., Atkinson, R.C., Smith, E. E., Bem, D. J. (2003). Pszichológia. Budapest, Osiris – Századvég Kiadó, 160-193.

Birbaumer, N., Schmidt, R.F. (2010). Zirkadiane Periodik, Schlaf und Traum. In: Birbaumer, N., Schmidt, R.F. (2010). Biologische Psychologie, Springer, 535-569.

Bódizs R., Szendi G. (2009). Éberség, tudat, normális és megváltozott tudatállapotok. In: Kopp M., Berghammer R. (szerk.). Orvosi pszichológia. Budapest, Medicina Kiadó, 44-67.

DSM-IV-R. (2001). Bp., Animula.

Eckardt, J. (2005). Kinder und Trauma. Göttingen, Vandenhoeck&Ruprecht GmbH.

Flatten, G. (2005). Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD). In: Egle, U.T., Hoffmann, S.O., Joraschky, P. (Hrsg.). Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. Stuttgart, Schattauer GmbH, 297-315.

Herman, J.L. (2003). Trauma és gyógyulás. Az erőszak hatása a családon belüli bántalmazástól a politikai terrorig. Budapest, Háttér Kiadó – Kávé Kiadó – NANE Egyesület.

Kahn, G. (2010). Das Innere-Kinder-Retten. Sanfte Traumaverarbeitung bei Komplextraumatisierung. Giessen, Psychosozial Verlag.

Kirsch, A., Michael, T., Lass-Hennemann, J. (2011). Trauma und Gedaechtnis. In: Seidler, G. H., Freyberger, H.J., Maercker, A. Handbuch der Psychotraumatologie. Klett-Cotta, 15-21.

Klaver, P. (2011). Neurobiologische Theorien zum Verstaendnis der Posttraumatischen Belastungsstörung. In: Seidler, G.H., Freyberger, H.J., Maercker, A. Handbuch der Psychotraumatologie. Klett-Cotta, 61-72.

Merza K., Kuritárné Szabó I. (2012). A disszociáció hagyományos és új megközelítése. Psychiatria Hungarica, 27, 1, 18-28.

Molnár P., Csabai M., Csörsz I. (2003). Orvosi professzionalizáció és magatartástudomány. Magyar Tudomány, 11, 1391-1400.

Ozsváth K. (2007). A gyógyító egészsége. In: Kállai J., Varga J., Oláh A. (szerk.) Egészségpszichológia a gyakorlatban. Budapest, Medicina, 217-236.

Ozsváth K., Tiringer I. (2009) Disszociatív (konverziós) és szomatoform tünetcsoportok. In: Füredi J.; Németh A.; Tariska P. (szerk.) (2009) A pszichiátria magyar kézikönyve (Negyedik, átdolgozott és bővített kiadás). Bp.: Medicina Könyvkiadó. 326-348.

Péley B. (2010) Fejlődés és evolúció: Evolúciós szemlélet a fejlődésben, a pszichopatológiában és a pszichoterápiákban. Magyar Pszichológiai Szemle, 65, 65-83.

Spitzer, C., Freyberger, H.J. (2011). Dissoziative Störungen. In: Seidler, G.H., Freyberger, H.J., Maercker, A. Handbuch der Psychotraumatologie. Klett-Cotta, 231-244.

Spitzer, C., Wibisono, D., Freyberger, H.J. (2011). Theorien zum Verstaendnis von Dissoziation. In: Seidler, G.H., Freyberger, H.,J., Maercker, A. Handbuch der Psychotraumatologie. Klett-Cotta, 22-37.

Tengelyi L. (2010) A tapasztalat és a valóság. Fenomenológia az ezredfordulón. Elhangzott a Filozófia az ezredfordulón konferencián, Kecskemét, 2000. márc. 25. http://www.phil-inst.hu/projects/kecske.met/tengelyi_1928.htmköszi

Varga K. (2008). Tudatzavarok és megváltozott tudatállapotok. In: Kállai J., Bende I., Karádi K., Racsmány M. (szerk). Bevezetés a neuropszichológiába. Bp., Medicina, 419-463.



[70] Die wichtigsten zusammenhängende Kapitel: 3.1.; 3.9.; 4.9.; 4.11.; 4.13.; 5.1.; 5.4.; 5.5.; 5.12.

[71] In einem wachen, bewussten Zustand kommt es auch vor, dass wir das Wahrwerden von bestimmter Alternativen, Pläne oder Wünsche, abschätzen, bzw., dass wir schlummern, fantasieren. Dann dominiert in der Funktion der Imagination/Einbildung/stätigkeit auch die ordentliche, logische Funktion des Bewusstseins, der Realitätssinn bleibt haltend. Dagegen kann die während des Schlafs erscheinende Imagination/Einbildung/stätigkeit bizarr, rhapsodisch sein, die Zusammenhänge zwischen den Assoziationen sind nicht unbedingt offenbar, die Realität  bleibt im Hintergrund.

[72] Wir würden einige betreffende Funktion des Hippokampus auch speziell erwähnen, wovon in erster Linie die Verbindung der räumlich-zeitlichen Kontexte, die Konsolidation des episodischen Gedächtnisses und die Ordnung der Funktion der anhand des Kontextes zusammenhängenden Informationen in einer einheitlichen Ereigniskette von der Sicht unserem Thema relevant sind. In dieser Hinsicht könnte vielleicht die nachherige Funktion des Hippokampus mit dem beim Unterhalten des Computers gemachten Defragmentieren geähnelt werden. In der optimalen Funktion des Hippokampus nimmt durch die HPA-Achse auch die zirkadian Schlafregelung mit der quantitativen Regelung der Ausscheidung des Cortisols teil.

Der NREM-Schlaf behindert die Cortisolausscheidung der HPA-Achse, so hilft er am Anfang des Schlafes den mit dem Hippokampus verbundenen Gedächtnisfunktionen. Im REM-Schlaf können mit der Erscheinung der Theta-Wellen (sog. Sägezahnwellen) die Einheit der Gedächtnisse, der räumlichen-zeitlichen Beziehungen und die damit zusammenhängende Lernprozesse zustande kommen. Der Zusammenhang zwischen dem Hippokampus und dem REM-Schlaf ist ein intensiv geforschtes Gebiet, dessen zahlreiche Teile noch auf das Klarstellen warten.

[73] Das Arousal ist die elektrophysisch abschreibbare Aktivierungsstufe des Gehirns, das in allerdrei Bewusstseinszustand in verschiedenen Qualitäten, Indexes dabei ist.

[74] In einem bestimmten Moment anwesende Aufmerksamkeitskapazität.

[75] Den charakteristischen EEG Muster der Wachsamkeit, der NREM- und REM-Phasen des Schlafs werden in der Abbildung 2. demonstriert.

[76] Die Muskeln des Herzes, des Diaphragma, der Augen und die glatten Muskeln funktionieren.

[77] Die in den frontalen Gebieten ablenkbare Theta-Aktivität dominiert während der Ausführung von starker Konzentration, Emotionen und mentalen Aufgaben (räumliche Information, Exploration), in munterem Zustand spielt sie in der Herausbildung und Konsolidation der Erinnerungen eine Rolle.

[78] Es gibt aber solche Meditationsrichtungen, wo die Ausbreitung der Aufmerksamkeit das Ziel ist.

[79] Von dem Thema handelt die Kapitel 4.11. ausführlicher.

[80] Das Kapitel 2.10. handelt sich um die Aufeinanderwirkung der Bindung und der Vorgänge des Nervensystems.

[81] Das Cortisol spielt in der Genexpression/den Merkmalen eines Genes (durch die RNS) eine Rolle, die die Gehirnvorgänge steuern. Die Stresshormone sind fähig sich mit dem Rezeptor des Zellkerns zu verbinden, auf diese Art wird während der RNS Synthese eine spezielle Proteincodierung verwirklicht, die den Aufbau und die Funktion der Zelle beeinflusst, darin eingeschlossen sind das Wachstum die Neurotransmittersynthese, die Dichte und Sensitivität des Rezeptors und die Neuaufnahme des Neurotransmitters. Einige Forschungen heben die Rolle der CRHR1 und FKBP (hat auf die Sensitivität des Glukokortikoide-Rezeptors eine Wirkung) und BDH Gens (Dopamin Beta-Hydroxylase Gen) diesem Vorgang hervor.

[82] Die Produktion des Adrenalins, Noradrenalins, der Glukokortikoide und endogenen Opiaten verändert sich.

[83] Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Der Hypothalamus erfüllt eine solche integrierende Rolle in der Funktion des Organismus, wobei er die vegetativen, somatischen und hormonalen Funktionen auch betrifft. Er spielt nicht nur in der endokrinen Regelung, dem Wärme- und Elektrolythaushalt, sondern auch in der Regelung des Schlafs und der Wachheit eine wichtige Rolle, dass wir nur einige. Blick auf unser Thema relevante Funktionenbetonen. Dieses Gebiet des Gehirns bildet direkte Verbindung zwischen dem Nervensystem und den hormonalen Funktionen. Das hypothalamo-hypophyse System ist die Verwirklichung dieser Verbindung, es integriert die Funktionen einer ständig-inneren Atmosphäre herausbildend, die sich zu der äußeren Atmosphäre maximal zu anpassen versucht. Anhand seines Verhältnisses mit dem limbischen System läuft das Funktionieren der mit dem sensiblen Antworten zusammenhängenden vegetativen Reaktionen auch mit der Hilfe des Hypothalamus.

[84] 5-25%-ge Minderung des Volumens, sowie uni-, als auch bilateral.

[85] Serotonin = 5-Hydroxytryptamin = 5-HT und 5-HT Transporter = 5-HTT; zum 5-HTT Gen sich anknüpfende polymorphe Region (5-HTT gene-linked polymorphic region) = 5-HTTLPR

[86] Eine somatosensorische Verstärkung bedeutet, dass wenn erhöhte Aufmerksamkeit auf die körperlichen Symptome gerichtet wird und die erfahrenen Körpergefühle von der Person als gefährlich bewertet werden, Angst erweckt wird und  als Krankheitszeichen interpretiert wird.

[87] Das Bild wird damit angerechert, dass die diagnostischen Kennzeichensysteme (BNO-10; DSM-IV-R) die im Praxis auftretenden Erscheinungen, dessen Lösung von der Erscheinung des DSM-V erwartet wird auch nicht in gänzlich abdecken. Es gibt theoretische Gruppierungen, die bezüglich zur Dissoziation somatoforme und psychoforme Symptome unterscheiden.  In diesem Fall bedeutet das Genannte, die auf das Trauma gegebene Antworten und kennzeichnet das fehlen das Ausbleiben der sensorisch-motorischen Integration wie die Analgesie, körperliche Anästhesie, intrusiv körperliche Empfindungen, Symptome der Schlafstörung, Letztgenanntes ist die im klassischen Sinne gebrauchte Definition der Dissoziation.

[88] Die dissoziative Amnesie dauert meist eine Woche, löst sich danach spontan auf. Die Gedächtnislücke betrifft nur die traumatischen Ereignisse keine anderee Gebiete, sonstige Störungen können nicht aufgezeigt werden, die Person ist wach. Die dissoziative Amnesie hat keine organische Ursachen.

[89] Ein plötzlich auftretender, definierter Zustand, gekennzeichnet durch eine über Stunden bis hin zu Tagen dauernde Gedächtnislücke, ziellose Irrfahrt, herumstreifen, wobei das Individuum eine Amnesie hat. Es kommt im Falle von hohen Belastungen vor.

[90] Multiplexe Persönlichkeit, ihre Ätiologie ist unbekannt, allgemein fängt sie in der Kindheit, als auf die Traumen gegebene Reaktion an, die Person formt zwei oder mehrere Persönlichkeiten, der Zustand ist chronisch.

[91] Das Individuum fühlt sich selbst fremd, empfindet, dass es sich von außen betrachtet, das kann auch Minuten aber auch mehrere Tage dauern. Ihr Zusammenhang mit den Angststörungen verstärkt ihren Zusammenhang mit den Disstressreaktionen. Daneben kann sie auch von Epilepsie, Rauschmittelverbrauch verursacht werden, beziehungsweise kann ein Symptom von sonstigen psychiatrischen Krankheitsbildern (Schizophrenie) sein.

[92] Die fight-flight-freeze Reaktionen.

[93] Die Definition der extrem äußeren Belastungen ist auch subjektiv und es geben auch sog. solche normale traumatische Situationen im Leben, die in erster Linie zu akzidentellem Krisis (sehe noch im Kapitel 7.14.) verbinden werden können, wie die bezüglich zu Scheidung, Trauer, Krankheiten erlebten Belastungen.

[94] Diese Vorgangsbeschreibung bekam ausgehend von der Benennung der vier Erlebnisaspekte den Namen BASK-Modell, das beim Verstehen der pathologischen Form der Dissoziation hilft.

[95] Siehe noch in den von der Funktion des Gedächtnisses handelnden Kapiteln: 5.4.; 5.12.

[96] Je als ein explizites Erlebnis wir das nennen können, was bis zum Vorgang der Rekonstruierung nur in impliziter Form administriert werden konnte.

[97] Primär strukturelle Dissoziation: die einfachste Dissoziation der Persönlichkeit, das für die alltäglichen Funktionen verantwortliche System funktioniert scheinbar gut, aber die mit dem Trauma verbundenen somatosensorischen und emotionalen Erinnerungen integrieren sich nicht in die bewusste Funktion und persönliche Narrative. Die Einengung der kognitiven und perzeptuellen Funktionen kann charakteristisch sein (akuter Stress, PTSD, dissoziative Symptome, somatische Störungen können diagnostiziert werden).

Im Falle der sekundär strukturellen Dissoziation ist das System der alltäglichen Funktionen scheinbar immer noch normal, intakt, aber in den mit dem Trauma verbundenen Erlebnissen ist die emotionale Distanzierung größer, die Gefühle werden vom Kontext unabhängig und die mit dem Trauma verbundenen Erinnerungen brechen auf voneinander unabhängige Segmente auseinander. Mit Desorientierung, Derealisation, verändertem Zeitgefühl kann sie charakterisiert werden (komplexe PTSD, eine vom Trauma stammende Persönlichkeitsstörung kann erscheinen).

Tertiär strukturelle Dissoziation: Die alltäglichen Funktionen werden, durch die mit dem Trauma verbundenen Erinnerungseinbrüchen unterschiedlicher Ausprägung, massiv gestört,, dissoziierte Ich-Zustände können erscheinen (Dissoziative Störungen, eine dissoziative Identitätsstörung kann sich heraus bilden).

[98] Transgenerationale Traumatisierung: Wenn die Eltern-Kind-Beziehung durch Trauma der Eltern eine dauerhafte Störung erleidet und die Eltern nicht als einsicherer Bindungspunkt funktionieren können, dann können in der Beziehung dysfunktional interaktionelle Muster zustande kommen. Der Grund der inadäquaten Fürsorgemuster besteht in der beschränkten Zugänglichkeit der Eltern, sie können keine Stütze, Aufmerksamkeit, Trost bieten, können auf die Bedürfnisse und emotionalen Ansprüche des Kindes wegen ihrer eigenen unkontrollierbaren Emotionen (Depression, Hilflosigkeit, Angst) nicht entsprechend reagieren. Das fehlen von  Vertrauen, unverhältnismäßige Angst, zu enge Grenzen, Kontrolle, Bindung, oder das Gegenteil,  keine Grenzen, das Fehlen von Regeln stöβen das Funktioneren, die Hierarchie der Familie um. Die Kommunikationsmethoden der Familie, die traumatischen Schemen und Funktionen ziehen das Kind in die Rolle des Traumatisierten ein, und die Emotionen, Bewältigungsstrategiene der Eltern adoptierend werden sie mit hineingerissen, und immer aktiver in der Formung der transgenerationalen Bedeutung des Traumas. Diese Einbindung kann zur sekundären Traumatisierung führen.

[99] Noch anhand des DSM-IV-R

[100] Bezüglich der Diagnose des PTSD gibt es keine relevanten Veränderungen im neurem DSM-V, geringfügige Ergänzungen und kleine Umstrukturierung wurden vorgenommen,, beziehungsweise es erscheinen nun zwischen diesen Kriterien in direkter Form auch das Erlebnis der Depersonalisation und Derealisation, aber weil es erst jetzt in die Praxis überführt wird bauen wir in unserem Schreiben zunächst noch nicht darauf auf.

[101] Das Zeugnis stammt aus der Praxis des Zwölf-Schritte-Programs, bei der die Person Geschichte und Erlebnisse erarbeitet, seine Identität konzipiert sowie seine Beziehung zur Gemeinschaft bzw. zur Geschichte der Gemeinschaft formuliert. Während der Therapie findet eine Ausarbeitung über die eigene Identität sowie über den Verlauf des Traumas statt, die schriftlich festgehalten und als Zeugnis dem Patienten überreicht wird. Dieses Verfahren hilft bei der Aufhebung des Gefühls der Machtlosigkeit, beim wiedererlangen der persönlichen Aktivität und bei der Integration des Traumas in die Historie der eigenen Lebensereignisse. Des Weiteren hat die auf diese Weise sich realisierende Integration in das autobiografische Gedächtnis das Auflösen der Dissoziation als Ziel, die Ereignisse werden wieder verortet und vergeschichtlicht, was ein weiteres wichtiges Wirkungsmechanismus darstellt.